Top-Beitragende – Stacy Schiurring, Kim Jackson, Jess Bell und Lucinda hampton
Verhagen et al.(1) befassen sich mit dem Einsatz von körperlicher Aktivität als Medizin, um die Last durch chronische und lebensstilbedingte Krankheiten auf die Allgemeinbevölkerung zu verringern. Während die Vorteile körperlicher Aktivität bekannt sind und den Patienten mitgeteilt werden, werden die unerwünschten Nebenwirkungen oder unbeabsichtigten Folgen bei der Patientenaufklärung oft ignoriert oder vernachlässigt.(1)
Horvath et al.(2) führten eine systematische Literaturübersicht durch und stellten fest, dass der Nozebo-Effekt, der sich durch negative verbale Hinweise (negative verbale „Cues“) hervorrufen lässt, die motorische Leistung einer Person beeinflussen kann. Unter bestimmten Umständen kann der Nozebo-Effekt sogar stärker sein als der Plazebo-Effekt.(2)
Das Risiko unerwünschter Wirkungen bei der Verschreibung von Rehabilitationsmaßnahmen wie körperlicher Aktivität, Bewegung oder Gangtraining ist zwar gering, aber nicht völlig auszuschließen. Kliniker sollten ihre Patienten proaktiv über mögliche Nebenwirkungen informieren(3) als Teil des Prozesses der informierten Einwilligung.
Definitionen:
Eine Nebenwirkung ist in der Regel eine unerwünschte oder unbeabsichtigte Folge einer Intervention.(3)
Ein Nozebo-Effekt tritt auf, wenn die negativen Erwartungen eines Patienten an die Behandlung dazu führen, dass die Behandlung ein ungünstigeres Ergebnis hat, als es sonst der Fall wäre.(4)
Ein Plazebo-Effekt ist die Tendenz eines Medikaments oder einer Behandlung, selbst wenn diese inaktiv oder unwirksam ist, positive Ergebnisse zu zeigen, nur weil der Empfänger glaubt, dass es funktionieren wird.(5)
Mögliche klinische Folgen der Aufklärung über potenzielle Nebenwirkungen:(3)
Ein Rehabilitationsexperte kann mit Hilfe des klinischen Reasonings eine Arbeitshypothese aufstellen, um zu versuchen, die unbeabsichtigten Folgen von therapeutischen Interventionen zu reduzieren.(3)
Die drei häufigsten Nebenwirkungen der Veränderung einer Gangabweichung:(3)
- Erhöhter Energieverbrauch; es kann körperlich anstrengender sein, auf eine neue Art zu gehen und zu laufen
- Erhöhte kognitive Anforderungen; das Gehirn muss härter arbeiten, um die Aufgabe zu erfüllen
- Erhöhte Muskelermüdung und Muskelkater bei neuartiger Beanspruchung der Muskeln
| Gangabweichung | Assoziierte muskuloskelettale
Schmerzsyndrome |
Sensorisches System | Interner Aufmerksamkeitsfokus: Hinweis/Cue, Aufforderung, Feedback | Externer Aufmerksamkeitsfokus: Hinweis/Cue, Aufforderung, Feedback | Mögliche Nebenwirkungen |
|---|---|---|---|---|---|
| Zu große Schritt- oder Doppelschrittlänge(6) |
|
Visuell | Sich vorstellen/visualisieren, auf heißem Sand zu laufen | Laserpointer / Lichtziele für kürzere Schritte verwenden | Eine Verkürzung der Schrittlänge könnte zu einem erhöhten Energieverbrauch führen.(7) |
| Auditiv | „Gehen Sie so, als ob Sie sich an jemanden heranschleichen würden“ | Auf einen Metronomschlag in der richtigen Kadenz (Schläge pro Minute) hören | |||
| Kinästhetisch / Taktil | „Machen Sie kürzere Schritte / Machen Sie mehr Schritte pro Minute“ | Wearable mit vibrierendem Feedback bei angemessener Kadenz | |||
| Späte/verzögerte Fersenanhebung („late/delayed heel off“) |
|
Visuell | „Stellen Sie sich vor, wie Sie sich nach oben und nach vorne bringen“ | Auf einen Spiegel zugehen und den Scheitel des Kopfes oder ein Lichtziel (Laserpointer) beobachten | Kognitive Überlastung |
| Auditiv | „Eine Feder in Ihrem Schritt“ | Auf verbale Hinweise/Cues achten wie: „ja“; „dämpfen Sie es“; „mehr Mühe geben“ | |||
| Kinästhetisch / Taktil | „Fühlen Sie, wie sich die Ferse früher vom Boden abhebt“ | Verwendung von elastischem Tape | |||
| Übermäßiges „Toe-out“ (Zehen zeigen nach außen)(8)
(mehr als 15 bis 20 Grad Fußprogressionswinkel) |
|
Visuell | „Stellen Sie sich Ihren Fuß als vorderen Autoreifen vor, halten Sie ihn gerade auf der Straße“ | Fuß auf ein Klebeband oder eine Linie auf dem Boden ausrichten |
|
| Auditiv | Auf verbale Hinweise/Cues hören wie: „ja“; „dämpfen Sie es“; „mehr Mühe geben“ | Laut sagen: „Fuß nach innen drehen“. | |||
| Kinästhetisch / Taktil | „Drücken Sie die Ferse nach außen oder drehen Sie die Zehen nach innen“ | Berühren oder klopfen der Muskeln an der Vorderseite der Hüfte, „benutzen Sie diesen Muskel“. | |||
| Laterales Absinken des Beckens, kontralaterales Absinken des Beckens |
|
Visuell | „Stellen Sie sich vor, das Becken sei ein Eimer mit Wasser; lassen Sie das Wasser nicht auslaufen“ |
|
Muskelermüdung und Muskelkater |
| Auditiv | „Stellen Sie sich vor, Ihr Becken ist eine Glocke; vermeiden Sie das Klingen der Glocke“ | Auf den Fußauftritt achten. Das Geräusch muss symmetrisch und rhythmisch sein. | |||
| Kinästhetisch / Taktil | Die Hand soll die Glutealmuskulatur berühren: „diesen Muskel arbeiten lassen“. |
|
Eine kognitive Überlastung kann auftreten, wenn eine Person durch die therapeutischen Maßnahmen geistig herausgefordert wird. Sie verarbeitet zu viele Informationen oder zu viele Aufgaben, was sich negativ auf ihr motorisches Lernen auswirkt. Der Rehabilitationsexperte kann diese Überlastung verändern, indem er (1) die Intervention abbricht, (2) die Intervention fortsetzt und den Patienten während der Aufgabe ermutigt, (3) die Gesamtaufgabe in kleinere Schritte oder Abschnitte aufteilt oder (4) die Intervention verändert, indem er die sensorische Präferenz des verbalen Hinweises/Cues, der dem Patienten gegeben wird, ändert.(3)
Erhöhte Muskelermüdung und Muskelkater sind eine zu erwartende Nebenwirkung des Trainings. Es ist jedoch wichtig, mit jedem Patienten ein Gespräch über die Art des Schmerzes zu führen, um sicherzustellen, dass dieser neue Schmerz kein Warnzeichen für eine weitere Verletzung ist.
Beispiele für die Vorhersage, welche Muskeln als Reaktion auf die explizite Veränderung des Gangs Muskelkater und/oder -ermüdung erfahren werden:
| Veränderung der Gangabweichung | Mögliche Ursachen für Muskelermüdung und/oder -kater |
|---|---|
| Von einer zu großen Schritt- oder Doppelschrittlänge zu kürzeren Schritten | Oberschenkel- und/oder Wadenmuskeln |
| Von einem lateralen Absinken des Beckens zu einem stabileren Becken/Hüfte | Glutealmuskeln |
| Von einem verlängerten Fersenkontakt bzw. verzögerte Fersenanhebung zum richtigen Zeitpunkt für die Fersenanhebung | Schmerzhafte Fuß- und/oder Wadenmuskeln, verspannte Glutealmuskeln |
| Von einem übermäßigen „toe out“ zu einem angemessenen Fußprogressionswinkel | Dehnungsgefühl und/oder Ermüdung der Muskeln um die Hüfte herum |
Optionales Video:
In diesem optionalen Video wird der Nozebo-Effekt im Vergleich zum Plazebo-Effekt erörtert und es werden klinische Beispiele für den Nozebo-Effekt vorgestellt.
Optionale zusätzliche Lektüre: