Originaler Autor – Thomas Longbottom basierend auf dem Kurs von Z Altug
Top-Beitragende – Thomas Longbottom, Kim Jackson, Wanda van Niekerk, Jess Bell und Tarina van der Stockt
Derzeit leben weltweit etwa 10 Millionen Menschen mit der Parkinson-Krankheit (Morbus Parkinson).(1) Eine Metaanalyse von Daten aus aller Welt zeigt, dass die Prävalenz der Parkinson-Krankheit mit dem Alter zunimmt und sich von fast 0,5 % im siebten Lebensjahrzehnt auf etwa 2 % bei den über 80-Jährigen vervierfacht.(2) Andere Quellen berichten, dass 1,5-2 % der Bevölkerung über 60 Jahre von Parkinson betroffen sind.(3) Die Parkinson-Krankheit ist mit dem Verlust von Dopamin produzierenden Neuronen in der Substantia nigra des Mittelhirns verbunden. Klinisch ist sie gekennzeichnet durch Ruhetremor, Rigor und Bradykinese sowie andere nichtmotorische Merkmale wie Anosmie, Schlafstörungen, Depression, autonome Dysfunktion und kognitive Dysfunktion.(4) Die Ätiologie dieser Krankheit ist nicht vollständig geklärt, aber man geht davon aus, dass eine Kombination aus genetischen und umweltbedingten Faktoren ursächlich ist.(4) Dazu gehören verschiedene Lebensstilfaktoren wie Tabakkonsum, Ernährung und körperliche Aktivität.(5)(6)
Komponenten der Lebensstil-Wellness bei Parkinson:(7) Stressmanagement, konventionelles Training, Körper-Geist-Training, Ernährung, Schlafhygiene, Vermeidung von Risikosubstanzen, Selbstfürsorgestrategien, Ausdruckstherapien, Aktivitäten in der Natur und sozialer Anschluss
Laut dem Lifestyle Medicine Handbook umfasst die Lebensstilmedizin die Anwendung von evidenzbasierten therapeutischen Ansätzen zur Behandlung, Umkehrung und Vorbeugung von lebensstilbedingten chronischen Krankheiten.(8) Dazu gehören:
Das Ziel der Lebensstilmedizin ist es, die Ursachen von Krankheiten zu behandeln und nicht nur die Symptome zu bekämpfen. Dazu gehört, dass die Patienten gesunde Verhaltensweisen erlernen und übernehmen. Lebensstilinterventionen haben das Potenzial, die Prognose vieler chronischer Krankheiten zu beeinflussen, was nicht nur zu einer besseren Lebensqualität für viele Menschen führt, sondern auch die Kosten für das Gesundheitssystem senken kann.(9) Es ist zwar verständlich, dass man dazu neigt, die Lebensstilmedizin als Domäne des Arztes zu betrachten, aber auch andere Dienstleister wie Ernährungsberater, Sozialarbeiter, Verhaltenstherapeuten und Lebensstil-Coaches gehören dazu.(9) Sie fällt auch in den Aufgabenbereich von Physiotherapeuten, da Diät und Ernährung bei vielen der von Physiotherapeuten behandelten Erkrankungen eine Schlüsselrolle spielen, Physiotherapeuten als Experten für Bewegung gelten und Prävention, Gesundheitsförderung, Fitness und Wellness wichtige Aspekte der physiotherapeutischen Versorgung sind.(10)
Auf dieser Seite sollen Strategien für Menschen mit Parkinson erörtert werden, darunter das Stressmanagement, die Vermeidung des Missbrauchs von Risikosubstanzen und die Verbesserung des sozialen Anschlusses sowie die Vorteile des Aufenthalts in der freien Natur.
Was ist Stress? Laut Taber’s Cyclopedic Medical Dictionary ist es „jede physische, physiologische oder psychologische Kraft, die das Gleichgewicht stört“.(3) Diese Störungen können bei Menschen mit Parkinson-Krankheit besondere Auswirkungen haben. Stress kann die Wirksamkeit von Levodopa bei der medizinischen Behandlung von Menschen mit Parkinson-Krankheit verringern.(11) Die Fähigkeit, gut mit Stress umzugehen, kann dazu beitragen, eine Verschlimmerung des stressbedingten Parkinson-Tremors zu verhindern.(12) Chronischer Stress kann auch die Anfälligkeit für Depressionen und Angstzustände bei Patienten mit Parkinson erhöhen.(13) Strategien zum Stressmanagement können daher für Patienten mit Parkinson von großer Bedeutung sein.
Was verursacht Stress? Der erste Schritt zum Stressmanagement kann darin bestehen, die Stressfaktoren zu ermitteln. Beachten Sie die folgenden möglichen Ursachen für Stress:(14)
Welche Strategien gibt es zum Stressmanagement? Sobald die Quelle des Stresses identifiziert ist, können ausgewählte Strategien zur Bewältigung des Stresses angewendet werden. Es ist jedoch wichtig, sich darüber im Klaren zu sein, dass nicht alle Ansätze für jede Person geeignet sind.
Beispiele für Strategien der Patientenedukation zum Stressmanagement:
- Versuchen Sie es mit konventioneller körperlicher Betätigung wie Laufen, Radfahren, Wandern, Schwimmen usw.
- Versuchen Sie es mit geistig-körperlichen Übungen wie Tai Chi, Qigong oder Yoga.(15)(16)(17)
- Versuchen Sie, sich mehr an der frischen Luft zu bewegen.(18)
- Probieren Sie verschiedene Arten der Meditation aus.
- Versuchen Sie Techniken der progressiven Muskelentspannung.
- Versuchen Sie eine Massagetherapie.(19)
- Versuchen Sie, Musik zu hören.
- Versuchen Sie es mit geführten Imaginationen mit Musik.(20)
- Versuchen Sie es mit Malen oder Zeichnen.
- Versuchen Sie, durch Fernsehen, Bücher oder andere Medien mehr Lachen in Ihr tägliches Leben zu bringen.(21)
- Versuchen Sie zu singen, zu pfeifen oder zu summen.
- Probieren Sie das Tanzen aus.
- Versuchen Sie, an einem Schauspielkurs an einer Schule oder einem Theater in Ihrer Nähe teilzunehmen.
- Versuchen Sie es mit einer beschwerten Decke.(22)
- Versuchen Sie, mit ihren Haustieren zu spielen.
Eine weitere Strategie, die in Betracht gezogen werden sollte, ist die Reduzierung von visuellem Nahpunktstress . Der Nahpunkt oder punctum proximum beschreibt die geringste Entfernung, in der das Auge noch scharf sehen kann. Tätigkeiten, die eine längere Fokussierung auf den Nahpunkt erfordern, können zu Ermüdung der Augen, Überanstrengung der Augen und Kopfschmerzen führen.(23) Diese Tätigkeiten können die Arbeit an Computern, Smartphones, Büchern oder andere Tätigkeiten am Schreibtisch umfassen. Um diesen Stress zu verringern, sollten Sie versuchen, alle 10 bis 20 Minuten den Blick von der nahen Arbeit abzuwenden, größere Schriftgrößen auf Bildschirmen und in Materialien zur Patientenschulung/Hausaufgaben zu verwenden und einen Ausgleich zur nahen Arbeit zu schaffen, indem Sie Pausen einlegen, um sich im Freien zu bewegen oder die Augen in die Ferne zu richten.(24)(25)
Wenn die oben genannten Strategien nicht ausreichen, sollten Sie erwägen, den Patienten an einen Spezialisten für Stressmanagement, einen Psychologen oder Berater zu verweisen.
Es sollte nicht überraschen, dass der schädliche Konsum von Alkohol und Tabak negative Auswirkungen auf die Gesundheit haben kann. Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation ist Alkoholkonsum ein Faktor bei über 200 Krankheiten und Verletzungen.(26) Alkoholkonsum wird auch mit einem erhöhten Risiko für das Fortschreiten der Parkinson-Krankheit in Verbindung gebracht. Rauchen wird mit einem erhöhten Sterberisiko in Verbindung gebracht, und bei Parkinson-Patienten besteht ein erhöhtes Risiko für einen kognitiven Abbau.(6) Es ist daher naheliegend, dass eine Raucherentwöhnung das Risiko für kognitive Beeinträchtigungen bei Parkinson verringern kann, und dies wird durch die Evidenz gestützt.(27)
Behandlung von Alkoholabhängigkeit: Auch wenn die ideale Art der körperlichen Aktivität sowie die Intensität, Häufigkeit und Dauer nicht bekannt sind, steht fest, dass körperliche Aktivität Teil einer wirksamen Behandlung für Alkoholabhängigkeit sein kann.(28) Überlegen Sie, ob Sie Parkinson-Patienten, die auch mit Alkoholkonsum zu kämpfen haben, Fitnessprogramme verschreiben und/oder sie zur Nutzung von Fitnesszentren ermutigen sollten.(14)
Strategien zur Raucherentwöhnung: Eine Strategie zur Unterstützung der Raucherentwöhnung ist die Anwendung einer Yoga-Routine, deren positive Wirkung auf die erfolgreiche Abstinenz vom Rauchen durch Evidenz belegt ist.(29) Das Praktizieren des Yoga kann die Bemühungen zur Raucherentwöhnung unterstützen, indem Faktoren wie Stress, Verlangen und Achtsamkeit angesprochen werden.(29) In der begleitenden Studie nahmen die Probanden an einer Iyengar-Yoga-Routine teil, die aus 5 Minuten Atemarbeit, gefolgt von 45 Minuten dynamisch verbundener Körperhaltungen und dann 5-10 Minuten Ruhemeditation bestand.(29)
Eine weitere Ressource, die die Physiotherapeuten ihren Patienten empfehlen können, sind die Smokefree Apps, die über smokefree.gov verfügbar sind.(14)
Soziale Kontakte können sich positiv auf Gesundheit und Wohlbefinden auswirken.(30) Gemeinschaftliche körperliche Aktivität ergänzt die Vorteile des körperlichen Trainings durch sozialen Anschluss und bietet eine Plattform für das Erlernen von Bewältigungsstrategien und die Befriedigung emotionaler und körperlicher Bedürfnisse.(31) Dies kann zu einer positiveren Einstellung zum Leben in einer Bevölkerungsgruppe führen, die tendenziell mit körperlichen Herausforderungen und Einschränkungen bei der gesellschaftlichen Teilhabe konfrontiert ist.
Der Physiotherapeut kann versuchen, die soziale Interaktion der Patienten zu fördern, indem er ihnen die Teilnahme an Bewegungsangeboten in der Gemeinde empfiehlt. Dazu können Tanzkurse, Fitnesskurse und andere Programme gehören, die speziell für Menschen mit Parkinson entwickelt wurden, wie z. B. Rock Steady Boxing, ein Fitness-Lehrplan auf der Grundlage des kontaktlosen Boxens das an vielen internationalen Standorten angeboten wird. Programme wie Dance for PD sind in vielen Teilen der Welt verfügbar und bieten auch Kurse an, die über das Internet gestreamt werden oder auf DVD erhältlich sind.
Andere Strategien der Patientenedukation zur Verbesserung des sozialen Anschlusses:(14)
- Versuchen Sie es mit Gruppengesangs-, Musik-, Tanz- oder Kunstkursen, die in der örtlichen Gemeinde angeboten werden.
- Melden Sie sich in einem Fitnessstudio an.
- Schließen Sie sich einer Selbsthilfegruppe an.
- Treten Sie einem Gartenclub bei oder gründen Sie selber eine Gruppe.
- Besuchen Sie einen Kurs an einer örtlichen Volkshochschule oder Schule.
- Besuchen Sie Live-Online-Kurse oder spielen Sie Live-Online-Spiele.
- Engagieren Sie sich in einem örtlichen Gemeindezentrum.
- Erkundigen Sie sich nach Möglichkeiten, ehrenamtlich zu unterrichten, zu coachen oder zu betreuen.
- Bleiben Sie mit Familie und Freunden über soziale Medien oder Videokonferenzen in Verbindung.
Es gibt überzeugende Evidenz für die Förderung von mehr Aktivitäten im Freien und Interaktionen mit der Natur. Der Aufenthalt im Freien kann dazu beitragen, die Vorteile von frischer Luft, ausreichender Sonneneinstrahlung und natürlichem Licht zu nutzen, das Manövrieren auf unterschiedlichem Terrain zu üben und die soziale Kompetenz zu steigern. Zu diesen Vorteilen gehören die Verringerung von Stress, Angst und Depressionen sowie eine Steigerung des allgemeinen Wohlbefindens.(14) Der Geruch von Pflanzen und die natürlichen Geräusche eines Gartens können zum Stressabbau beitragen und die psychische Gesundheit fördern.(32)(33) Bewegung an der frischen Luft, in einer natürlichen Umgebung, kann zu einem besseren Gefühl der Belebung, des Engagements und der Energie führen, zusammen mit weniger negativen Gefühlen wie Anspannung, Ärger und Depression.(34)
Die Empfehlungen für Bewegung an der frischen Luft sind zwar lobenswert, aber der Kliniker muss auch Strategien für die Sicherheit der Patienten im Auge behalten. Beachten Sie die folgenden Vorschläge: