Spondyloarthritis (abgekürzt SpA, auch Spondarthritis, früher Spondylarthropathie) ist ein Überbegriff für eine Gruppe von entzündlichen rheumatischen Erkrankungen.(1)(2) Spondyloarthritiden sind fortschreitend und schmerzhaft. Sie betreffen häufig das Achsenskelett (d. h. die Wirbelsäule und die Iliosakralgelenke), können aber auch das periphere Skelett befallen.(1) Sie gehen mit einer Enthesitis (Entzündung des Sehnen- bzw. Bandansatzes am Knochen(3)) sowie Daktylitis (diffuse Schwellung der Finger bzw. Zehen(4)) einher. Weitere betroffene Bereiche sind Herz, Augen, Lunge, Haut, Darm und Urogenitaltrakt.(2)
Es gibt fünf Unterformen von Spondyloarthritis:(1)
Die Symptome der Spondyloarthritis treten in der Regel vor dem 45. Lebensjahr auf.(1) Männer und Frauen sind fast gleichermaßen betroffen, das Verhältnis ist 1,1:1 (Männer: Frauen), wobei Männer zum Zeitpunkt der Diagnose tendenziell jünger sind als Frauen.(1)(8) Mit einer Prävalenzrate von 0,5-1,9 Prozent gehören die Spondyloarthritiden (SpA) zu den häufigsten rheumatischen Erkrankungen – genauso häufig wie die rheumatoide Arthritis (RA).(9) Im Gegensatz zu anderen rheumatischen Erkrankungen sind Spondyloarthritiden jedoch seronegativ für Rheumafaktoren.(10)
Die Ätiologie und Pathogenese der Spondyloarthritiden sind komplex und nicht vollständig geklärt. Eine erste systemische Entzündungsreaktion auf eine bekannte oder unbekannte Quelle führt zu lokalen Gewebeveränderungen. Diese Veränderungen können in der lokalen Gelenkumgebung lang anhaltend sein, und die anhaltende Entzündung führt zu einem Kreislauf aus unausgewogenem Knochenumbau und axialem Knochenverlust.(11)
Die Ursache der Spondyloarthritiden ist zwar nicht bekannt, aber die Forschung legt nahe, dass es sowohl umweltbedingte als auch genetische Auslöser gibt.(2) Insbesondere wurde festgestellt, dass die Spondyloarthritiden genetisch mit dem HLA-B27-Gen zusammenhängen.(1)(12) 90 Prozent der Patienten mit axialer Spondyloarthritis tragen dieses Gen. Das Vorhandensein dieses Gens ist jedoch an sich nicht gleichbedeutend mit der Diagnose einer Spondyloarthritis, da fünf bis zehn Prozent der Patienten, die das HLA-B27-Gen in sich tragen, diese Krankheiten nicht entwickeln.(1)
Rückenschmerzen sind überaus prävalent. (14) Das Auftreten von Rückenschmerzen, die drei Monate oder länger andauern, und das Auftreten von Rückenschmerzen vor dem 45. Lebensjahr ist ein Anhaltspunkt für die Diagnose einer Spondyloarthritis.(14) Es ist wichtig, zwischen verschiedenen Arten von Rückenschmerzen (z. B. mechanisch oder entzündlich) und den verschiedenen Formen der Spondyloarthritiden zu unterscheiden. Die spezifischen Merkmale der einzelnen Formen von Spondyloarthritis werden im Folgenden erläutert.
Der Begriff „axiale Spondyloarthritis“ (axSpA) bezieht sich sowohl auf Patienten, die eine nicht röntgenologische Spondyloarthritis (nr-axSpA) haben, als auch auf Patienten mit röntgenologischer axialen Spondyloarthritis (r-axSpA). Die röntgenologische axiale Spondyloarthritis wird auch als ankylosierende Spondylitis (AS) oder Morbus Bechterew bezeichnet.(15) Die nicht röntgenologische axiale Spondyloarthritis lässt sich zwar nicht auf dem Röntgenbild erkennen, aber es gibt Veränderungen in der MRT.(1)
Die axiale Spondyloarthritis beginnt in der Regel, wenn die Patienten im Alter von 20 Jahren sind. Das Verhältnis zwischen Männern und Frauen beträgt bei der röntgenologischen axialen Spondyloarthritis 2:1 und bei der nicht röntgenologischen axialen Spondyloarthritis 1:1.(15)
Die axiale Spondyloarthritis betrifft vor allem die Wirbelsäule, wobei entzündliche Veränderungen zu Schmerzen, Steifheit und Bewegungseinschränkungen im Rücken führen.(1)(16) Die Patienten präsentieren sich häufig mit Bewegungseinschränkungen der Wirbelsäule, abnormer Körperhaltung, Gesäß- und Hüftschmerzen, peripherer Arthritis, Enthesitis und Daktylitis („Wurstfinger“ bzw. „Wurstzehen“).(16)
Man schätzt, dass die axiale Spondyloarthritis zu 90 Prozent erblich ist, wobei das HLA-B27-Gen der wichtigste genetische Faktor ist.(15)(16)(18) Die tatsächliche Rolle des HLA-B27 bei der Pathogenese der axialen Spondyloarthritis ist nach wie vor unklar, aber es gibt Hinweise darauf, dass die Zytokine Tumornekrosefaktor-Alpha (TNF-α) und Interleukin-17 (IL-17) beteiligt sind.(15)
Die röntgenologische axiale Spondyloarthritis wird auch mit einem erhöhten Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen in Verbindung gebracht, was auf die mit dieser Erkrankung verbundene systemische Entzündung zurückzuführen ist. Da sie zu einer verminderten Ausdehnung der Brustwand und einer geringeren Beweglichkeit der Wirbelsäule führt, kann sie bei den Betroffenen zu einem restriktiven Lungenmuster führen. Diese Personen sind auch anfälliger für Wirbelfrakturen, atlanto-axiale Subluxation, Rückenmarksverletzungen und gelegentlich ein Cauda-Equina-Syndrom.(16)
Für weitere Informationen zur axialen Spondyloarthritis klicken Sie bitte hier.
Die Psoriasisarthritis (PsA) ist eine chronische, immunvermittelte entzündliche Gelenkerkrankung, die mit Schuppenflechte (Psoriasis) einhergeht.(20) Die Betroffenen leiden an Arthritis und Enthesitis sowohl im Achsenskelett als auch in den peripheren Gelenken. Sie beeinträchtigt mehrere Organe, darunter auch die Haut, und wird mit einem erhöhten Sterberisiko durch Herz-Kreislauf-Erkrankungen in Verbindung gebracht.(20)(21)
Die jährliche Inzidenz der PsA schwankt stark und liegt zwischen 0,1 und 23,1 Fällen pro 100 000 Einwohner. Auch die Prävalenzraten variieren zwischen den Ländern, ebenso wie das Durchschnittsalter bei der Diagnose (40,7 bis 52,0 Jahre).(22)
Charakteristische Merkmale der PsA sind:(22)
Zwischen 60 und 70 Prozent der Patienten entwickeln eine Schuppenflechte vor der PsA. Bei 15 bis 20 Prozent der Patienten treten jedoch zuerst die Symptome einer Arthritis auf. Bei 15 bis 20 Prozent der Betroffenen beginnen Schuppenflechte und Arthritis innerhalb eines Jahres.(22)
Für weitere Informationen über PsA klicken Sie bitte hier.
Die enteropathische Arthritis (EnA) ist eine Spondyloarthritis, die bei Patienten auftritt, die auch eine chronisch-entzündliche Darmerkrankung (CED) wie Colitis ulcerosa und Morbus Crohn und/oder andere Magen-Darm-Erkrankungen aufweisen.(24)
Es gibt keinen Goldstandard-Test für EnA, so dass die Diagnose im Allgemeinen auf der Anamnese und der körperlichen Untersuchung beruht.(24) In der Regel wird bei Patienten, die an CED erkrankt sind und dann entzündliche Rückenschmerzen und/oder Synovitis (vorwiegend in den unteren Extremitäten) entwickeln, eine Spondyloarthritis diagnostiziert.(24) Bei Frauen ist die Wahrscheinlichkeit größer, dass die peripheren Gelenke betroffen sind, während bei Männern eher Symptome des Achsenskeletts auftreten.(24)
Zwischen 17 und 39 Prozent der Patienten mit CED entwickeln rheumatische Erscheinungsformen. Zwischen 2 und 16 Prozent der CED-Patienten entwickeln EnA im Achsenskelett. Die Prävalenz der Sakroiliitis liegt in dieser Bevölkerungsgruppe bei 12 bis 20 Prozent der Patienten.(24)
Wie bei anderen Spondyloarthritiden besteht eine Assoziation mit dem HLA-B27-Gen, die zwischen 3,9 und 18,9 Prozent liegt, aber die Pathogenese ist nicht vollständig geklärt.(24) Es wurde jedoch beobachtet, dass Gelenkentzündungen bei Patienten auftreten, die genetisch prädisponiert sind und bakterielle Darminfektionen haben. Dies deutet darauf hin, dass ein gewisser Zusammenhang zwischen Entzündungen der Darmschleimhaut und Arthritis besteht.(24)
Für weitere Informationen über EnA klicken Sie bitte hier.
Die reaktive Arthritis (ReA) ist eine seronegative Spondyloarthritis, die nach einer extraartikulären Infektion (meist des Magen-Darm-Trakts oder des Urogenitaltrakts) auftritt.(25)(26) Sie geht mit entzündlichen Rückenschmerzen, Oligoarthritis und extraartikulären Symptomen einher.(26) In der Regel entwickelt sich die Erkrankung zwischen einer und sechs Wochen nach einer urogenitalen oder gastrointestinalen Infektion.(26)(27)
Es kann eine klassische Triade von Symptomen identifiziert werden:(28)
Dermatologische Manifestationen (wie Keratoderma blennorrhagicum, Eichelenztündung, ulzerative Vulvitis, Veränderungen der Nägel und orale Läsionen) können auftreten.(28) Die Krankheit kann auch das Herz und die Augen betreffen, wobei die Schwere der Symptome unterschiedlich ist.(26)
Eine ReA ist häufiger bei Männern(28) und betrifft in der Regel junge Erwachsene.(26) Die genaue Pathophysiologie ist noch nicht bekannt, aber es scheint wahrscheinlich, dass infektiöse und immunologische Faktoren eine Rolle spielen.(28) Auch hier sind die Betroffenen eher Träger des Gens HLA-B27.(26)
Die klinischen Symptome können von einer septischen Arthritis unterschieden werden. Die wichtigsten Anzeichen einer septischen Arthritis sind:(26)
Für weitere Informationen über ReA klicken Sie bitte hier.
Die Diagnose der undifferenzierten Spondyloarthritis (uSpA) wird in Fällen gestellt, in denen Personen Merkmale einer Spondyloarthritis aufweisen, aber keiner der oben genannten Erkrankungen zuzuordnen sind.(30) Sie tritt in der Regel in weniger als fünf Gelenken auf, umfasst aber meistens das Kniegelenk.(31)
„Spondyloarthritis“ ist ein Überbegriff, der fünf entzündliche rheumatische Erkrankungen umfasst. Diese Erkrankungen können mehrere Bereiche des Körpers betreffen, darunter Gelenke und Enthesen sowie andere Organe.
Die spezifische Ätiologie ist zwar nach wie vor unbekannt, doch deuten aktuelle Forschungsergebnisse auf eine starke genetische Komponente und spezifische Umweltauslöser hin.