Evidenzbasierte Praxis leben und vorleben

Originale Autorin Wanda van Niekerk basierend auf dem Kurs von Benita Olivier

Top-BeitragendeWanda van Niekerk und Jess Bell

Einleitung(edit | edit source)

Die evidenzbasierte Praxis (EBP) spielt in der Gesundheitsversorgung eine zentrale Rolle, sei es in der klinischen Ausbildung, in der Forschung oder auch in der Rehabilitationspraxis. Es handelt sich um eine Problemlösungsmethode, bei der die Evidenz aus der Forschung das klinische Reasoning und die Entscheidungsfindung leitet. Jedes Element des Modells der evidenzbasierten Praxis ist von Bedeutung, und anstatt jedes Bestandteil isoliert anzuwenden, liegt der Schwerpunkt auf dem kollektiven Einsatz dieser Elemente, um eine klinische Entscheidung zu begründen.(1)

Die Definition der evidenzbasierten Praxis hat sich im Laufe der Zeit weiterentwickelt. Neben der Integration von Forschung, klinischem Fachwissen und Werten und Umständen des Patienten ist es auch notwendig, dass Gesundheitsfachkräfte „die Merkmale des lokalen und breiteren Kontexts ihrer praktischen Tätigkeit berücksichtigen“.(1) Es geht also nicht nur um Forschung. Es geht auch um die Fertigkeiten, die Ausbildung und die Erfahrung eines Klinikers sowie um den Patienten und seine Werte, Umstände, Präferenzen und klinischen Zustand. Darüber hinaus muss der Kliniker bei der Entscheidungsfindung die Verfügbarkeit von Ressourcen, Strategien sowie kulturelle und sozioökonomische Faktoren berücksichtigen.(1) Hoffman et al. erklären dies sehr anschaulich: „Dies erfordert sowohl Urteilsvermögen und Kunstfertigkeit als auch Wissenschaft und Logik“.(1)

Überblick über die Schritte der Evidenzbasierten Praxis ( edit | edit source )

Schritt 1: Ermittlung der Bedürfnisse des Patienten zur Formulierung einer klinischen Frage

PICOT-Schema für die Formulierung einer klinischen Frage
P (Patient, Population, Problem) I (Intervention/Therapie) C (Comparison/Vergleich, Kontrolle) O (Outcome/Zielgröße) T (Typ)
  • Bei der Formulierung einer klinischen Frage zur Bestimmung der zu verwendenden Ergebnismessung sollten Sie die Spalten P, O und T des PICOT-Schemas verwenden

Schritt 2: Auffinden der Wissensressourcen

  • Wenn Sie diesen Schritt noch einmal nachlesen möchten, können Sie einen Blick auf Ermittlung der Wissensressourcen in der evidenzbasierten Praxis werfen
  • Vorgeschlagene Reihenfolge für das Auffinden von Wissensressourcen:(3)
    1. Suchen Sie nach Informationen auf einer zusammenfassenden, evidenzbasierten Plattform
    2. Suchen Sie nach einer klinischen Praxisleitlinie
    3. Suchen Sie nach einer systematischen Übersicht
    4. Suchen Sie nach Primärstudien

Hinweis: Denken Sie daran, die relevanten Unterlagen herunterzuladen und an einem sicheren Ort zu speichern, damit Sie sie leicht wiederfinden können.

Schritt 3: Bewertung der Qualität der Wissensressourcen

Schritt 4: Erörterung der Optionen mit dem Patienten

  • Unter Erörterung der Optionen mit dem Patienten finden Sie einige wichtige Punkte zur Besprechung der Möglichkeiten mit dem Patienten
  • Denken Sie daran, dass jedes Gespräch mit einem Patienten anders verlaufen wird, da jeder Patient seinen eigenen Kontext hat; nutzen Sie diesen Schritt, um eine Beziehung zu Ihrem Patienten aufzubauen und einen sicheren Raum zu schaffen.(3)

Schritt 5: Formulierung des Behandlungsplans

  • Planen Sie Ihre Behandlung, seien Sie bereit, sich anzupassen und immer wieder neu zu überdenken, zu reflektieren und zu überarbeiten(3)

Schritt 6: Umsetzung des Behandlungsplans

Schritt 7: Bewertung der Wirksamkeit des Behandlungsplans und des Prozesses der evidenzbasierten Praxis

  • Wenn Sie diesen Schritt noch einmal überprüfen möchten, können Sie einen Blick auf Bewertung werfen

Hier können Sie nachlesen, wie Sie sich bei der Entscheidung für eine Ergebnismessung an der Evidenz orientieren. Bitte beachten Sie auch den Bericht der Allied Health Professions (AHP) Outcome Measures UK Working Group Key questions to ask when selecting outcome measures: a checklist for allied health professionals der Ihnen hilft, die Qualität einer Ergebnismessung einzuschätzen. (In englischer Originalsprache)

Evidenzbasierte Praxis in den Alltag integrieren ( edit | edit source )

Umsetzung der evidenzbasierten Praxis ( edit | edit source )

  • Arbeiten Sie an Ihren Fertigkeiten im Bereich der evidenzbasierten Praxis – Sie wissen am besten, wo Ihnen die notwendigen Fertigkeiten fehlen(3)
  • Nehmen Sie sich Zeit – Zeitmangel ist eine große Barriere für die evidenzbasierte Praxis(5)
    • Versuchen Sie, diese Barriere auf kreative und innovative Weise zu überwinden, die für Sie funktioniert(3)
  • Erinnern Sie sich an den Prozess der evidenzbasierten Praxis – hängen Sie eine Übersicht davon dort auf, wo Sie sie täglich sehen können, und machen Sie sich den Prozess zur Gewohnheit(3)
  • Leben Sie die Evidenzbasierte Praxis – Finden Sie Möglichkeiten, das Modell der evidenzbasierten Praxis mit anderen zu teilen(3)

Andere befähigen ( edit | edit source )

Teilen Sie das Gelernte mit anderen. Hier einige Beispiele, wie dies geschehen kann(3):

  • Organisieren Sie Journal Clubs oder Falldiskussionen
    • Nehmen Sie daran teil, wenn sie in Ihrer Einrichtung bereits existieren
    • Tragen Sie aktiv zu diesen Sitzungen bei
    • Wenn es keine Journal Clubs gibt, gründen Sie einen – seien Sie die Veränderung!
    • Journal Clubs können online oder persönlich stattfinden
      • Werden Sie hier Mitglied der Rehabilitationsgemeinschaft von USAID und ReLAB-HS. Die Nutzung der Website ist kostenlos, und die Anmeldung dauert nur wenige Augenblicke. Sobald Sie sich angemeldet haben, können Sie einem Journal Club (sowie anderen Gruppen) beitreten und sich mit anderen Rehabilitationsfachleuten austauschen.
      • Xia et al.(6) berichteten, dass die Integration von Journal Clubs das Vertrauen der Studierenden in die Fertigkeiten zur evidenzbasierten Praxis förderte.
  • Schreiben Sie Blogbeiträge(7)
    • Vorschläge für Blogbeiträge:
      • Teilen Sie einige wertvolle Websites, die Sie entdeckt haben
      • Teilen Sie mit, was Sie aus dem Prozess der evidenzbasierten Praxis gelernt haben
      • Heben Sie anhand eines konkreten Falles hervor, wie Sie den Prozess der evidenzbasierten Praxis durchlaufen haben
      • Erzählen Sie von einigen der neuen Fertigkeiten, die Sie erworben haben
  • Erstellen Sie Videos(7)
    • Finden Sie Plattformen, auf denen Sie interviewt werden, Techniken aufzeichnen, Ergebnismessungen mitteilen und die großartigen neuen Fertigkeiten, die Sie erworben haben, präsentieren können
  • Podcasts(7)
    • Nehmen Sie an Podcasts als Experte oder Interviewer teil
  • Tragen Sie zu Kursen und/oder Webinaren bei, arbeiten Sie mit Organisationen oder Verbänden zusammen und geben Sie Ihr Wissen weiter
  • Veröffentlichen Sie Fallstudien

Referenzen(edit | edit source)

  1. 1.0 1.1 1.2 1.3 Hoffmann T, Bennett S, Del Mar C. Evidence-based practice across the health professions. Elsevier Health Sciences; 2023.
  2. Herbert R, Jamtvedt G, Hagen KB, Elkins MR. Practical Evidence-Based Physiotherapy. Elsevier Health Sciences; 2022.
  3. 3.0 3.1 3.2 3.3 3.4 3.5 3.6 3.7 Olivier, B. Practical Examples of Evidence-Based Practice.Course. Plus. 2024.
  4. OCEBM Levels of Evidence Working Group*. “The Oxford Levels of Evidence 2”.Oxford Centre for Evidence-Based Medicine. https://www.cebm.ox.ac.uk/resources/levels-of-evidence/ocebm-levels-of-evidence *OCEBM Levels of Evidence Working Group = Jeremy Howick, Iain Chalmers (James Lind Library), Paul Glasziou, Trish Greenhalgh, Carl Heneghan, Alessandro Liberati, Ivan Moschetti, Bob Phillips, Hazel Thornton, Olive Goddard and Mary Hodgkinson
  5. Crawford CL, Rondinelli J, Zuniga S, Valdez RM, Tze‐Polo L, Titler MG. Barriers and facilitators influencing EBP readiness: Building organizational and nurse capacity. Worldviews on Evidence‐Based Nursing. 2023 Feb;20(1):27-36.
  6. Xia R, Morris S, Klappa SG, Colgrove Y. A Longitudinal Study of Journal Club to Enhance Physical Therapy Students‘ Research Appraisal Skill for Evidence-Based Practice-A Mixed-Methods Study. Journal of allied health. 2023 Sep 6;52(3):113-22.
  7. 7.0 7.1 7.2 Patrick M, Venkatesh RD, Stukus DR. Social media and its impact on health care. Annals of Allergy, Asthma & Immunology. 2022 Feb 1;128(2):139-45.


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