Kopfschmerzen haben eine hohe Prävalenz und gehen mit einer erheblichen Krankheitslast für den Einzelnen und die Gesellschaft einher. Laut der Global Burden of Disease Study stehen Kopfschmerzerkrankungen bei Menschen unter 50 Jahren an dritter Stelle der Erkrankungen mit der größten Beeinträchtigung für die Betroffenen.(1)
Die geschätzte weltweite Prävalenz aktiver Kopfschmerzerkrankungen liegt bei 46 %.(2) Zwischen 1,7 und 4 Prozent der erwachsenen Weltbevölkerung geben an, an 15 oder mehr Tagen im Monat unter Kopfschmerzen zu leiden.(3) Obwohl es regionale Unterschiede gibt, sind Menschen aller Altersgruppen, Ethnien, sozioökonomischer Hintergründe und geografischer Gebiete von Kopfschmerzen betroffen.(3) Die höchsten Raten für Kopfschmerzen finden sich in Nordamerika, wo 85 bis 90 Prozent der Menschen angeben, schon einmal unter Kopfschmerzen gelitten zu haben.(4)
Es gibt viele verschiedene Arten von Kopfschmerzen, auf die hier näher eingegangen wird.
Kopfschmerzen werden in drei Hauptkategorien eingeteilt:(5)
Der Kopfschmerz vom Spannungstyp (Spannungskopfschmerz, „tension-type headache“ – TTH) ist die häufigste neurologische Erkrankung. Diese Störung ist gekennzeichnet durch wiederkehrende beidseitige Kopfschmerzen von leichter bis mittlerer Intensität, die sich bei üblicher körperlicher Aktivität nicht verändern.(6) Die Lebenszeitprävalenz in der Allgemeinbevölkerung liegt zwischen 30 und 78 Prozent.(5)
Die Ursache von Spannungskopfschmerzen ist nicht bekannt, aber es wird angenommen, dass beim episodischen Kopfschmerz vom Spannungstyp periphere Schmerzmechanismen eine Rolle spielen, während beim chronischen Kopfschmerz vom Spannungstyp zentrale Schmerzmechanismen beteiligt sind.(5)
Die ICHD-3 stellt fest, dass „perikraniale Schmerzempfindlichkeit leicht durch manuelle Palpation festgestellt und aufgezeichnet werden kann“.
Weitere Informationen über Kopfschmerzen vom Spannungstyp finden Sie hier.
Migräne hat ebenfalls eine hohe Prävalenz und stellt auch eine hohe sozioökonomische und persönliche Belastung dar.(5)
Es gibt zwei Haupttypen von Migräne:
Weitere Informationen zur Migräne finden Sie hier.
Primäre Kopfschmerzen und schwerwiegende Ursachen von Kopfschmerzen werden im folgenden Video erklärt.
Der zervikogene Kopfschmerz (ZKS) ist ein chronischer sekundärer Kopfschmerz, der seinen Ursprung in der Halswirbelsäule hat.(9) Zwischen 2,5 und 4,1 Prozent der Allgemeinbevölkerung sind davon betroffen.(4) Unter allen Fällen von Kopfschmerzen machen zervikogene Kopfschmerzen 15 bis 20 Prozent aus.
(9)(10) Es gibt Evidenz dafür, dass sie sich ähnlich stark auf die Lebensqualität auswirken wie Migräne und episodischer Kopfschmerz vom Spannungstyp.(9)
Die ICHD-3 beschreibt den zervikogenen Kopfschmerz als „Kopfschmerz, der durch eine Störung in der Halswirbelsäule und der zu ihr gehörigen Knochen-, Wirbel- und/oder Weichteilgewebe-Komponenten verursacht wird, gewöhnlich, jedoch nicht unweigerlich begleitet von Nackenschmerzen„.(5) Die vollständigen diagnostischen Kriterien finden Sie hier.
Der zervikogene Kopfschmerz beginnt im Nacken oder in der Okzipitalregion und kann das Gesicht und den Kopf mit einbeziehen. Die spezifischen Quellen von zervikogenen Kopfschmerzen sind alle Strukturen, die von den Nervenwurzeln C1 bis C3 innerviert werden, einschließlich:(11)
Die Übertragung von Schmerzen vom Nacken auf den Kopf lässt sich durch die Konvergenz der Afferenzen des N. trigeminus und der zervikalen Afferenzen der oberen drei zervikalen Spinalnerven erklären.(9)(11)(12)
Die meisten dieser nozizeptiven Informationen werden über die Fasern des N. ophthalmicus des N. trigeminus (Hirnnerv V) ausgetauscht. Schmerzen, die in der Halswirbelsäule entstehen, übertragen sich daher höchstwahrscheinlich auf die Schläfe, die Augenhöhle und die Stirn.(11)
Ein gewisser Austausch von sensorischen Informationen findet auch über die Fasern des N. maxillaris des N. trigeminus statt, so dass Schmerzen, die in der oberen Halswirbelsäule entstehen, auch auf das Gesicht projiziert werden können.
Die Nackenmuskulatur kann auch Schmerzen auf den Kopf und das Gesicht übertragen.(11)
Trotz klarer Kriterien zur Klassifikation des zervikogenen Kopfschmerzes ist es schwierig, diese Erkrankung zu diagnostizieren.(9) Die folgenden Punkte können bei der Unterscheidung zwischen Migräne, Kopfschmerz vom Spannungstyp und zervikogenem Kopfschmerz hilfreich sein.(7)
Zervikogene Kopfschmerzen werden durch Bewegungen der HWS ausgelöst.(18) Kopfschmerzen vom Spannungstyp und Migräne haben mehrere Auslöser, stehen aber in der Regel nicht im Zusammenhang mit zervikalen Bewegungen.(7)
Bei Patienten mit zervikogenen Kopfschmerzen ist die Beweglichkeit der Halswirbelsäule eher eingeschränkt.(7) Kopfschmerzen vom Spannungstyp und Migräne können mit Licht- und Geräuschempfindlichkeit (d.h. Photophobie und Phonophobie) einhergehen.(17) Migräne kann auch zusätzliche Symptome wie Übelkeit und Erbrechen sowie visuelle Veränderungen (Aura) aufweisen und kann sich durch Aktivität verschlimmern.(5)
Die folgende Tabelle gibt einen Überblick über diese Punkte.(7)
| Cervicogenic Headache | Kopfschmerz vom Spannungstyp | Migräne | |
|---|---|---|---|
| Lokalisation | Unilateral; Okzipital, orbital oder frontal | Diffus; Kann sich wie ein Stirnband anfühlen | Unilateral, Seitenwechsel möglich; Frontal, orbital, temporal |
| Schmerzcharakter | Nicht pulsierend, beginnt meist im Nacken | Dumpf oder beengend, Druck | Pochend, pulsierend |
| Auslöser | Bewegungen der Halswirbelsäule | Mehrere | Mehrere |
| Zusätzliche Symptome | Eingeschränktes Bewegungsausmaß der HWS | Photophobie, Phonophobie | Übelkeit, Erbrechen. Sehveränderungen (Aura), Photophobie, Phonophobie |
Obwohl es klare Klassifikationssysteme für Kopfschmerzen gibt, wird vermutet, dass in bis zu 50 Prozent der Fälle eine fehlerhafte Kopfschmerzdiagnose gestellt werden kann.(7)(19)
In einigen Fällen können Patienten mit einer bestimmten Kopfschmerzart (z.B. Migräne oder Kopfschmerz vom Spannungstyp) diagnostiziert werden, aber auch Merkmale eines zervikogenen Kopfschmerzes aufweisen. Kopfschmerzen schließen sich also nicht immer gegenseitig aus.(7) Kopfschmerzen vom Spannungstyp können gelegentlich auch eine zervikale Komponente aufweisen.(7) Und sowohl Migräne als auch Kopfschmerzen vom Spannungstyp sind häufig mit Nackenschmerzen verbunden (aufgrund der Konvergenz der zervikalen und trigeminalen nozizeptiven Afferenzen im trigeminozervikalen Komplex, wie oben beschrieben).(12)
Die Diagnose des zervikogenen Kopfschmerzes wird hier ausführlicher behandelt.
Bestimmte „Red Flag“-Erkrankungen können mit Kopfschmerzen in Verbindung gebracht werden, darunter:(7)
Weitere Red Flags sind:(20)
Red Flags in Bezug auf Kopfschmerzen und Schwindel werden hier ausführlicher behandelt.
Wenn Red Flags vorhanden sind, ist eine medizinische Untersuchung erforderlich.
Weitere Informationen zur Befunderhebung und Behandlung von zervikogenen Kopfschmerzen finden Sie hier.
Weitere Informationen über Kopfschmerzen finden Sie hier und hier.