Jedes Jahr kommen schätzungsweise 15 Millionen Babys zu früh zur Welt. Babys, die vor der 37. Schwangerschaftswoche (SSW) geboren werden, gelten als Frühgeborene. Je nach Gestationsalter lassen sich Frühgeborene in drei Unterkategorien einteilen:
Zu den Komplikationen einer Frühgeburt gehören Tod, Behinderung, Lernschwierigkeiten sowie Seh- und Hörprobleme. Die Hälfte der Babys, die in oder vor der 32. Woche in Ländern mit niedrigem Einkommen geboren werden, stirbt, während in Ländern mit hohem Einkommen fast alle Babys überleben. In Ländern mit mittlerem Einkommen erhöht der suboptimale Einsatz von Technologie die Behinderungslast für Frühgeborene, die überleben.(1)
Oftmals treten Frühgeburten spontan auf. Die Gründe für eine Frühgeburt lassen sich möglicherweise nicht feststellen, aber einige der bekannten Ursachen sind Infektionen, Mehrlingsschwangerschaften, Diabetes mellitus, Bluthochdruck und genetische Faktoren.(1)
Babys mit einem Geburtsgewicht von weniger als 2,5 kg gelten als Säuglinge mit niedrigem Geburtsgewicht (Low Birth Weight, LBW). Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation werden in einem einzigen Jahr 20,5 Millionen Lebendgeburten als niedriges Geburtsgewicht eingestuft. Die Mehrheit dieser Geburten (91 %) stammt aus Ländern mit niedrigem und mittlerem Einkommen. Frühgeborene und Babys mit niedrigem Geburtsgewicht haben ein 2-10 mal höheres Sterberisiko. Sie haben auch ein erhöhtes Risiko für Komplikationen, darunter:(2)
** Zu den Faktoren, die das Geburtsgewicht beeinflussen können, gehören die ethnische Zugehörigkeit, das Alter der Mutter, die Gesundheit der Mutter, die Gewichtszunahme der Mutter während der Schwangerschaft, die Geburtsreihenfolge, das Gestationsalter und die Genetik.(3)
Frühgeborene entwickeln sich langsamer als termingeborene Babys und erreichen Meilensteine später. Frühgeborene brauchen mehr Zeit für die Entwicklung ihres Körpers, ihres Gehirns und ihres Nervensystems. Daher wird das Alter von Frühgeborenen angepasst, um ihrer frühen Geburt Rechnung zu tragen. Die folgenden Definitionen beschreiben verschiedene Einteilungen des Alters:
** Beispiel: 16 Monate altes Kleinkind, das in der 28. SSW geboren wurde.
Der Apgar-Score ist ein Schnelltest, der nach der Geburt durchgeführt wird, um den Zustand des Neugeborenen zu ermitteln. Der Test besteht aus fünf Komponenten:
Jedem Faktor wird ein Wert von 0-2 zugeordnet, wobei die Gesamtpunktzahl zwischen 0-10 liegt. Der Apgar-Score wird 1 und 5 Minuten nach der Geburt durchgeführt. Er ist praktisch, anerkannt und schnell durchführbar.(5)
Frühkindliche Reflexe (primitive Reflexe) sind unwillkürliche, auf das Überleben ausgerichtete motorische Reaktionen. Diese Reflexe entwickeln sich in der Gebärmutter und verstärken sich postpartal. Mit der Entwicklung des Nervensystems in den ersten drei Lebensjahren schwächen sich die meisten dieser Reflexe ab und verschwinden letztendlich. Da Neugeborene noch nicht in der Lage sind, kortikal gesteuerte Bewegungen zur Interaktion mit ihrer Umgebung auszuführen, übernehmen frühkindliche Reflexe diese Funktion. Das Fehlen oder Fortbestehen (Persistenz) eines Reflexes kann auf ein neurologisches Problem hinweisen.(6)(3)(7) Verzögerungen beim Verschwinden frühkindlicher Reflexe stehen in Zusammenhang mit einer verminderten sensorischen Verarbeitung und verzögerten Meilensteinen. Darüber hinaus kann eine persistierende Reflexaktivität Probleme mit der Motorik, der Koordination, dem Gleichgewicht, Lernschwierigkeiten und Verhaltensproblemen verursachen.(8)(9)
Eine Liste frühkindlicher Reflexe finden Sie in der folgenden Tabelle. Bitte beachten Sie, dass die Zeiträume für den Beginn und das Verschwinden dieser Reflexe in der Literatur variieren.
| Frühkindlicher Reflex | Beschreibung | Beginn | Verschwinden |
|---|---|---|---|
| Palmarer Greifreflex | Berührung der Handinnenfläche; Säugling greift den Finger | 28 Wochen Gestationsalter (GA) | 3-6 Monate |
| Plantarer Greifreflex | Berührung der Fußsohle; Säugling krallt die Zehen | Etwa 28 Wochen GA | 9-12 Monate |
| Suchreflex (Rooting) | Reiz als Berührung an der Wange oder Lippe; Säugling wendet den Kopf zum Reiz hin | 28 Wochen GA | 3-4 Monate |
| Saugreflex | Berührung des Gaumens; Säugling fängt an, zu saugen | Etwa 32-26 Wochen GA | 2-5 Monate |
| Galant-Reflex | Bestreichen der Haut neben der Wirbelsäule (paravertebral); Wirbelsäule krümmt sich zur Seite des Reizes hin | Etwa 20 Wochen GA und aktiv bei der Geburt anwesend | 3-6 Monate |
| Moro-Reflex | Wenn das Baby aufgeschreckt wird (Geräusche, Licht, Bewegung), strecken sich seine Arme, Beine und sein Nacken, gefolgt von einer schnellen Zusammenführung der Arme zurück in die Mitte | 28 Wochen GA | 3-6 Monate |
| Babinski-Reflex | Bestreichen der Fußsohle von der Ferse bis zu den Zehen; Streckung der Großzehe und Spreizung der restlichen Zehen | 3-4 Monate | 12-24 Monate |
| Parachute-Reaktion (Sprungbereitschaft) | Die Arme werden gestreckt, wenn sie einen Sturz wahrnehmen (um den Sturz abzubremsen) | 5-9 Monate | Persistiert |
| Schreitreflex (Schreitreaktion) | Das Baby wird unter den Arme gehalten, während die Füße die Unterlage berühren; das Bein, das die Unterlage berührt, beugt sich, während sich das kontralaterale Bein streckt | Etwa 38 Wochen GA | Etwa 2 Monate |
| Beugereflex (Flexorreflex, Wegziehreflex) | Aktivierung von Nozizeptoren an der Fußsohle; der Fuß zieht sich durch Hüft- und Kniebeugung zurück | 28 Wochen GA | 1-2 Monate |
| Gekreuzter Streckreflex | Aktivierung von Nozizeptoren an der Fußsohle des gestreckten Beins; das betroffene Bein zieht in die Flexion (Beugereflex), während das Gewicht auf die kontralaterale Seite verlagert wird, die reflektorisch gestreckt wird (Extension) | 28 Wochen GA | 1-2 Monate |
| Steigreflex (Placing-Reaktion) | Der Fußrücken des Säuglings wird gegen die Kante einer Oberfläche gestrichen (z.B. Tischkante); Hüfte und Knie werden gebeugt, der Fuß wird auf die Oberfläche angehoben (ähnlich dem Hochsteigen einer Stufe); dem folgt eine Streckung des Beins, um das Gewicht zu übernehmen | 35 Wochen GA | 2 Monate |
| Stehbereitschaft (Positive Stützreaktion) | Füße kommen mit der Unterlage in Kontakt bei aufrecht gehaltenem Rumpf; der Säugling übernimmt das Gewicht auf beide Beine und streckt Rumpf, Hüften und Knien | 35 Wochen GA | 1-2 Monate |
| Landau-Reflex | Bauchlage, in der Luft gehalten; Kopf, Hüfte und Rücken werden gestreckt | Nach der Geburt, in der Regel 3-4 Monate | 12-24 Monate |
Tonische Reflexe führen zu einer Haltereaktion bzw. einer Unterbrechung der Bewegung. Sobald sich der Säugling in einer bestimmten Position befindet, bleiben seine Muskeln angespannt und halten diese Position.(3)
| Tonischer Reflex | Beschreibung | Beginn | Verschwinden |
|---|---|---|---|
| Asymmetrisch-tonischer Nackenreflex (ATNR) | Die passive Drehung des Kopfes zur Seite bewirkt eine Streckung der oberen und unteren Extremität auf der Gesichtsseite und eine Beugung auf der Hinterhauptsseite (Fechterstellung) | Geburt | 4-6 Monate |
| Tonischer Labyrinthreflex (TLR) | Wird der Kopf in der Bauchlage nach vorne gebeugt (HWS-Flexion), beugen sich alle Gliedmaßen; wird der Kopf nach hinten gestreckt (HWS-Extension), strecken sich alle Gliedmaßen | Geburt | 6 Monate |
| Symmetrisch-tonischer Nackenreflex (STNR) | Die Beugung des Kopfes nach vorne (HWS-Flexion) bewirkt eine Beugung der Arme und eine Streckung der Beine; die Streckung des Kopfes nach hinten (HWS-Extension) bewirkt das Gegenteil | 4-6 Monate | 8-12 Monate |
Stellreaktionen sind automatische Reaktionen, um eine normale aufrechte Haltung beizubehalten.(3)
| Stellreaktion | Beschreibung |
|---|---|
| Optische Stellreaktion | Der Sehsinn wird genutzt, um den Kopf in einer vertikalen Position zu halten |
| Labyrinthstellreaktion (LSR) | Das Innenohr wird genutzt, um den Kopf in einer vertikalen Position zu halten, wenn das Sehen eingeschränkt ist |
| Halsstellreaktion (HSR) | Wenn der Körper in eine Richtung geneigt wird, hält der Hals den Kopf in einer vertikalen Position |
| Vertikale Stellreaktion | Wenn der Körper zur Seite geneigt wird, verkürzen sich der Hals und der Rumpf auf der kontralateralen Seite zur Neigung, um eine aufrechte Position des Kopfes zu gewährleisten |
| Körperstellreaktionen | Körperstellreaktion auf den Körper: die Beugung eines Arms oder Beins mit Überkreuzen der Extremität über die Mittellinie leitet das Rollen bzw. Drehen des Körpers ein; Körperstellreaktion auf den Kopf: der Drehung des Kopfes folgt der Körper nach |
Einige der frühkindlichen Reflexe werden in dem folgenden Video von RegisteredNurseRN demonstriert: