Ganzheitliche Gesundheitsförderung bedeutet, den ganzen Körper zu betrachten, einschließlich der körperlichen, geistigen, spirituellen, emotionalen und sozialen Aspekte des Menschen, anstatt sich auf nur eine Komponente zu konzentrieren. Bei der ganzheitlichen Gesundheit werden alle Komponenten als miteinander verwoben betrachtet. Wenn ein Aspekt nicht optimal funktioniert, kann dies die gesamte Gesundheit beeinträchtigen. Empowered Parents(1) haben die fünf Aspekte der ganzheitlichen Entwicklung wie folgt beschrieben:
Diese fünf Komponenten entwickeln sich bei Kindern gleichzeitig und nicht isoliert. Ein Kind entwickelt beispielsweise seine körperlichen Fähigkeiten nicht unabhängig von seinen sozial-emotionalen Fähigkeiten. Eine Verzögerung in einem Aspekt der Entwicklung kann sich auf einen anderen auswirken. Ein körperliches Problem wie z. B. eine Hörschädigung kann die geistige Entwicklung beeinträchtigen. Ein Kind, das emotional aufgewühlt ist, hat möglicherweise Probleme, sich in der Schule zu konzentrieren und zu lernen. Daher können Therapeuten, die mit Kindern arbeiten und dabei einen ganzheitlichen Ansatz verfolgen, einen besseren Einblick in die zugrunde liegende Ursache des Problems eines Kindes gewinnen.(1) Ein ganzheitlicher Ansatz muss berücksichtigen, was physiologisch im Körper vor sich geht, insbesondere das autonome Nervensystem und wie es sein Gleichgewicht aufrechterhält.
Das vegetative (autonome) Nervensystem hält die Homöostase aufrecht, indem es unwillkürliche physiologische Prozesse wie Atmung, Verdauung, Herzfrequenz und Blutdruck reguliert.(2) Das vegetative Nervensystem setzt sich aus dem sympathischen und dem parasympathischen Nervensystem zusammen.(3) Die „Kampf-oder-Flucht“-Reaktion des sympathischen Nervensystems führt zu mehr Bewegung und Kraft. Dieses System wird in Stresssituationen, beim Sport und kurz vor dem Aufwachen aktiviert. Die Zellkörper des sympathischen Nervensystems sind von T1 bis L2 zu finden. Das parasympathische Nervensystem (d. h. „Ruhe und Verdauung“) wirkt entgegengesetzt zum sympathischen Nervensystem. Die Zellkörper des parasympathischen Systems befinden sich in den Hirnnerven III, VII, IX und X sowie S2 bis S4.(3) Im Folgenden werden Aspekte der spezifischen physiologischen Aktivität der einzelnen Systeme beschrieben.
Der Körper reagiert auf Stressoren, indem er das sympathische Nervensystem aktiviert und das parasympathische System hemmt. Kurzfristiger Stress dauert nur wenige Minuten bis Stunden, während chronischer Stress mehrere Stunden pro Tag über Wochen oder Monate anhält.(4) Bei chronischem Stress kommt es zu einer Dysregulation des Körpers, und es können unerwünschte Nebenwirkungen auftreten. Kinder, die unter chronischem Stress leiden, können ängstlich und depressiv werden, was zu Verzögerungen in anderen Entwicklungsbereichen (körperlich, sozial usw.) führen kann.
Fachkräfte im Gesungheitswesen, die mit Kindern arbeiten und einen ganzheitlichen Ansatz verfolgen, sollten die Säulen der Gesundheit beurteilen: Stressbewältigung, Schlaf, Ernährung und Bewegung. Durch die Beurteilung dieser Säulen kann der Praktiker erkennen, ob ein Faktor das Wohl des Kindes beeinträchtigt. Wenn Kinder lernen, mit Stress umzugehen, gut zu schlafen, sich richtig zu ernähren und sich zu bewegen, fördert dies ein ausgeglichenes Wohlbefinden in ihrem Leben.(5)
Stress ist ein gutes Beispiel dafür, wie sich Gefühle körperlich äußern können (z. B. Kopfschmerzen, Muskelschmerzen und Gewichtszunahme). Stress ist für die meisten Organismen ein fester Bestandteil des Lebens. Das Gehirn verarbeitet Stress, warnt den Körper durch den Mechanismus „Kampf oder Flucht“ vor Gefahren und fördert das Überleben. Verschiedene Stressfaktoren wirken sich je nach Dauer und Intensität unterschiedlich auf den Körper aus. Hinzu kommt, dass jeder Mensch Stressfaktoren unterschiedlich wahrnimmt, bewertet und bewältigt. Diese Abweichungen bei den einzelnen Personen können sowohl auf erfahrungsbedingte Faktoren als auch auf die Genetik zurückzuführen sein. Die Reaktionen auf Stress werden durch das vegetative Nervensystem in Schach gehalten.
Kinder, die lernen, mit ihren Gefühlen, Gedanken und Emotionen umzugehen und zu erkennen, wenn ihr Körper sich überfordert fühlt, sind in der Lage, Stresserfahrungen abzubauen. Diese Art der nicht wertenden Selbstwahrnehmung wird als Achtsamkeit bezeichnet.(5) Kindern Achtsamkeit beizubringen, um letztlich ihr vegetatives Nervensystem zu regulieren, kann auf viele Arten geschehen. Die folgenden Videos von CHOC Children’s demonstrieren zwei Atemtechniken des Mindfulness (Achtsamkeit): Bauchatmung und Fünf-Finger-Atmung:
Ein wichtiger Teil der Stressbewältigung besteht darin, die Bildschirmzeit mit den Kindern zu besprechen und zu begrenzen. Es gibt Hinweise darauf, dass die Zeit, die Kinder vor einem Bildschirm verbringen, ihre Stressantwort verstärken kann. Um der Bildschirmzeit entgegenzuwirken und die Reaktion des sympathischen Nervensystems zu verringern, sollten Kinder eine „Auszeit“ haben. Diese bildschirmfreie Zeit kann überall verbracht werden, vorausgesetzt, das Kind ist ruhig. Sie sollte mindestens 15 Minuten dauern und täglich praktiziert werden. Neben der Auszeit vom Bildschrim kann auch das Verbringen von Zeit mit einem Elternteil dazu beitragen, das Nervensystem zu beruhigen.(5)
Ein gesunder Schlaf ist entscheidend für die kognitive Leistungsfähigkeit, die Stimmung und die kardiovaskuläre Gesundheit.(6) Der Schlaf besteht aus zwei verschiedenen Phasen, die als REM (Rapid-Eye Movement) und NREM (Non-Rapid-Eye Moment) bezeichnet werden. Im Folgenden werden die Unterschiede zwischen REM- und NREM-Schlaf erläutert.(7)
Strukturierte Träume
Schlafentzug kann tiefgreifende Auswirkungen auf die geistige und körperliche Gesundheit haben.(6) Der REM-Schlaf ist die Zeit, in der das Gehirn Emotionen verarbeitet. Schlafmangel in dieser Zeit kann zu verstärkten Emotionen und erhöhter Angst führen. Während der NREM-Phase konzentriert sich unser Gehirn auf Gedächtnisbildung, Kreativität und Lernen.(7) Schlafunterbrechungen während diesem Teils des Schlafzyklus können jede dieser Facetten beeinträchtigen. Studien zeigen, dass 74 % der High-School-Schüler und 34 % der Kinder nicht genügend Schlaf bekommen (siehe Abbildung 1 für die empfohlene Schlafdauer für verschiedene Altersgruppen).(6)
Erwachsene durchlaufen jede Nacht 4-5 Schlafzyklen zwischen NREM und REM, wobei sie etwa 75 % im NREM-Schlaf verbringen. Neugeborene hingegen verbringen mehr Zeit in der REM-Phase. Mit zunehmendem Alter nimmt die NREM-Zeit bei Babys immer mehr zu.(7)
Es gibt viele verschiedene Möglichkeiten, eine gute Schlafhygiene für Kinder zu entwickeln. Im Folgenden finden Sie einige Tipps von raisingchildren.net.au:(8)
1. Schlafenszeit-Routine
Eine regelmäßige Routine zur Schlafenszeit, die jeden Abend etwa zur gleichen Zeit beginnt, wirkt sich positiv auf das Schlafverhalten aus. Die Routine zur Schlafenszeit eines jüngeren Kindes kann aus einem Bad, einer Geschichte und dann dem Schlafengehen bestehen. Bei älteren Kindern könnte diese Routine darin bestehen, mit den Eltern über den Tag zu sprechen und sich ein wenig zu entspannen, bevor sie das Licht ausmachen.
2. Entspannen vor dem Schlafengehen
Es ist wichtig, dass sich Kinder vor dem Schlafengehen entspannen. Für ältere Kinder kann dies bedeuten, Bücher zu lesen, Musik zu hören oder entspannte Atemtechniken zu üben. Kinder, die länger als 30 Minuten brauchen, um einzuschlafen, brauchen möglicherweise eine längere „Ausruhzeit“, bevor sie das Licht ausmachen.
3. Regelmäßige Schlaf- und Wachzeiten
Es ist wichtig, dass ein Kind jeden Tag etwa zur gleichen Zeit zu Bett geht und aufwacht (d.h. innerhalb von 1-2 Stunden). Dies trägt dazu bei, dass die innere Körperuhr des Kindes in einem regelmäßigen Rhythmus bleibt. Es ist ratsam, diese Routine immer einzuhalten, auch an Wochenenden und Feiertagen.
4. Früher und kurzer Mittagsschlaf für ältere Kinder
Die meisten Kinder hören im Alter zwischen 3 und 5 Jahren auf, Mittagsschlaf zu halten. Wenn ein älteres Kind ein Nickerchen macht, sollte es nicht länger als 20-30 Minuten schlafen.(5) Idealerweise sollte der Mittagsschlaf vor dem frühen Nachmittag stattfinden. Wenn der Mittagsschlaf länger / später ist, kann es für ein Kind schwieriger sein, abends einzuschlafen.
5. Sicherstellen, dass sich Kinder nachts sicher fühlen
Wenn ein Kind Angst vor der Dunkelheit oder vor dem Zubettgehen hat, kann es hilfreich sein, ein Kind zu loben / belohnen, wenn es mutig ist. Es kann auch hilfreich sein, gruselige Fernsehsendungen, Filme und Computerspiele zu vermeiden.
6. Berücksichtigen Sie Lärm und Beleuchtung im Schlafzimmer eines Kindes
Es ist wichtig, darauf zu achten, dass das Kinderzimmer nicht zu hell oder zu laut ist, um den Schlaf zu beeinträchtigen. Blaues Licht von Fernsehern, Computerbildschirmen, Handys und Tablets wirkt sich negativ auf den Schlaf aus, da es den Melatoninspiegel unterdrückt und so die Schläfrigkeit verzögert. Eine Stunde vor dem Schlafengehen hellem Licht ausgesetzt zu sein, hat eine ähnliche Wirkung auf kleine Kinder.
Die folgenden Strategien können hilfreich sein:
Wenn ein Kind ein Nachtlicht benutzt, ist gedämpftes, warmes Licht besser als helles, weißes / kaltes Licht.
7. Vermeiden Sie es, auf die Uhr zu schauen
Wenn ein Kind vor dem Schlafengehen regelmäßig nach der Uhrzeit schaut, ist es sinnvoll, die Uhr so zu verlegen, dass es sie vom Bett aus nicht sehen kann.
8. Die richtige Menge an Nahrung zur richtigen Zeit zu sich nehmen
Kinder sollten eine „sättigende Abendmahlzeit zu einer angemessenen Zeit“ erhalten. Wenn sich ein Kind vor dem Schlafengehen zu satt oder hungrig fühlt, kann es sich wacher und unwohl fühlen, was das Einschlafen erschwert. Auch ein gesundes Frühstück am Morgen trägt dazu bei, die innere Körperuhr des Kindes zu regulieren.
9. Natürliches Licht am Tag
Es ist wichtig, dass Kinder jeden Tag so viel natürliches Licht wie möglich bekommen, vor allem am Morgen. Helles Licht unterdrückt Melatonin, so dass sich ein Kind tagsüber wach und aufmerksam, aber vor dem Schlafengehen schläfrig fühlt.
10. Koffein meiden
Kinder sollten dazu angehalten werden, am späten Nachmittag und am Abend auf Koffein zu verzichten (d. h. auf Energydrinks, Kaffee, Tee, Schokolade, Cola usw.).(8)
Zahlreiche Studien haben die Nutzung von Technologien durch Kinder und Jugendliche in ihren Schlafzimmern und ihre negativen Auswirkungen auf den Schlaf untersucht. Mustafaoğlu et al.(9) stellen die folgenden Punkte fest:
Kinder müssen Gemüse und Obst essen, um sich gesund zu ernähren. In Australien wird empfohlen, dass Kinder im Alter von 4 bis 8 Jahren täglich 4,5 Stück Gemüse und 1,5 Stück Obst verzehren. Kinder im Alter von 9-11 Jahren sollten täglich 5 Portionen Gemüse und 2 Portionen Obst zu sich nehmen. Da Obst süßer ist, wird es von Kindern oft weniger abgelehnt als Gemüse.(10) Wenn man Kinder ermutigt, den „Regenbogen“ zu essen, ist sichergestellt, dass sie eine Vielzahl von Vitaminen und Mineralstoffen zu sich nehmen.(5)
Bitte prüfen Sie die spezifischen Ernährungsempfehlungen für Kinder in Ihrem Land / Ihrer Gemeinde.
Für Kinder ist es wichtig, dass sie Zeit für Bewegung haben. Es wurde festgestellt, dass es einen Zusammenhang zwischen Bewegung und kognitiver Entwicklung gibt.(11) Spielerfahrungen und neue Bewegungen fördern die Entwicklung des Gehirns und erhalten die neuronalen Verbindungen. Eine eingeschränkte Aktivität kann die Verbindungen zwischen den Gehirnzellen verringern. Koordinationsübungen, die sowohl die linke als auch die rechte Gehirnhälfte beanspruchen, erleichtern die Kommunikation von einer Seite zur anderen und stärken die neuronalen Bahnen, die später bei Sprache, Mathematik und Lese- und Schreibfertigkeiten helfen. Selbst Teenager können das Gehirnwachstum weiter fördern, da das Nervensystem erst im Alter von 15 bis 20 Jahren vollständig ausgereift ist.(11)