Muskeltests sind ein wesentlicher Bestandteil einer körperlichen Untersuchung. Sie werden von Gesundheitsfachleuten eingesetzt, um Kraftdefizite zu messen, Rehabilitationsfortschritte zu überwachen und die Bereitschaft zur Rückkehr zur Arbeit, zum Sport und zu anderen Aktivitäten zu beurteilen. Die Untersuchung der Muskelkraft bietet entscheidende Einblicke in die körperlichen Fähigkeiten einer Person, ihren neurologischen Status und bestimmte Krankheiten. Die Kraft des M. quadriceps femoris gilt beispielsweise als zuverlässiger Prädiktor für den Funktionsverlust und die Sterblichkeit im Zusammenhang mit koronarer Herzkrankheit und chronisch obstruktiver Lungenerkrankung.(1) In diesem Artikel wird untersucht, wie sich bestimmte Faktoren wie Alter, neurologische Erkrankungen und eine kritische Erkrankung auf die Beurteilung der Kraft des Rumpfes und der unteren Extremität auswirken können.
Mit zunehmendem Alter verändern sich unsere Muskeln. Diese Veränderungen gehen mit einer Abnahme der Muskelkraft und -masse einher.
Frailty ist ein wachsendes Problem in alternden Bevölkerungen. Frailty ist ein klinischer Zustand, der mit einem erhöhten Risiko für Frakturen, wiederholte Stürze, Schadensereignisse, Heimeinweisung, Pflegebedürftigkeit und Behinderung/Tod verbunden ist.(2)(3) Es wurde festgestellt, dass eine geringere Muskelkraft der unteren Extremitäten mit zunehmendem Alter und Frailty einhergeht.(4) Die genaue Messung der Muskelkraft ist daher für die Diagnose, die Prävention und das Management von Frailty unerlässlich.(5)
Sarkopenie ist gekennzeichnet durch den Verlust von Muskelmasse, Kraft und körperlicher Funktion. Sie steht im Zusammenhang mit dem Altern und ist das Ergebnis einer Kombination aus genetischen, umweltbedingten und physiologischen Faktoren. Sie ist mit einem erhöhten Risiko für Gesundheitsprobleme verbunden, einschließlich Behinderung, eingeschränkter Funktion, erhöhtem Sturzrisiko, längerem Krankenhausaufenthalt und Sterblichkeit. (6) Während der Verlust von Muskelmasse traditionell ein Zeichen für Sarkopenie ist, hat die neuere Forschung die Muskelkraft als einen effektiveren Indikator für die negativen gesundheitlichen Folgen der Sarkopenie herausgestellt. (7) In einer anderen Studie mit älteren Erwachsenen wurde ein starker Zusammenhang zwischen der Griffkraft der Hand und der Kraft der unteren Extremität festgestellt, mit signifikanten Korrelationen zwischen den untersuchten Muskelgruppen, mit Ausnahme der Dorsalextension der Sprunggelenke.(8)
Bei klinischen Untersuchungen und Fitness-Checks ist es gängig, verschiedene Assessments bzw. Tests zu kombinieren, um die Gesamtfunktion zu beurteilen. Diese umfassende Bewertung ist nützlich für ältere Erwachsene mit körperlichen Schwächen aufgrund früherer Verletzungen oder Inaktivität. Allerdings kann dieser Ansatz zeitaufwändig sein, und die Durchführung mehrerer Tests in einer Sitzung kann bei Personen mit eingeschränkter Leistungsfähigkeit schnell zu Ermüdung führen.(9)
Darum ist es von Vorteil, die drei wichtigsten klinischen Assessments für die Funktionsfähigkeit älterer Menschen zu kennen:(9)
Bei der Untersuchung der Kraft bei Kindern ist es wichtig, das Alter, den Entwicklungsstand und den kognitiven Status des Kindes sowie seinen emotionalen und verhaltensbezogenen Zustand zum Zeitpunkt der Untersuchung zu berücksichtigen.(10)
Säuglinge und Kleinkinder: Bei der Beurteilung von Säuglingen und Kleinkindern wird die Kraft in erster Linie durch Beobachtung ermittelt. Anstatt einzelne Muskeln zu isolieren, liegt der Schwerpunkt auf der Beobachtung von Bewegungen über Muskelgruppen hinweg. Um festzustellen, ob ein Baby über die nötige Kraft verfügt, um seine Umgebung zu erkunden, werden bestimmte Muskelaktionen bei Bewegungen gegen die Schwerkraft beobachtet. Informationen darüber, wie Sie einen Säugling im Sitzen beurteilen können, finden Sie hier.
Kinder: Manuelle Muskeltests können bereits bei Kindern ab 3 Jahren eingesetzt werden, wenn sie in der Lage sind, Anweisungen zu befolgen.(10) Andere zuverlässige Messungen der Muskelkraft und -funktion bei Kindern im Alter von 6-9 Jahren sind Beinpresse, Griffkraft, Hocksprung und Weitsprung (ohne Familiarisierung). (11) Der Sit-to-Stand-Test erfordert eine Familiarisierung, um eine ausreichende Zuverlässigkeit zu gewährleisten.(11) Spezielle Tests, die bei Kindern eingesetzt werden können, finden Sie hier.
Muskuloskelettale Schmerzen können den absteigenden motorischen Antrieb und die Muskelaktivierung beeinflussen. Experimentelle Studien haben eine verringerte willkürliche Aktivierung, ein verringertes „Feuern“ der motorischen Einheiten und eine veränderte Erregbarkeit des intrakortikalen Netzwerks bei experimentell ausgelösten Muskelschmerzen gezeigt.(12)
Patienten mit Schmerzen berichten häufig über Schwäche in ihren Extremitäten. Die American Medical Association Guides empfehlen zwar manuelle Muskeltests, um Kraftdefizite festzustellen, es hat sich jedoch gezeigt, dass mit dieser Methode Kraftverluste von bis zu 50 % nicht erkannt werden können. Daher kann die Anwendung dieser Testmethode bei Schmerzpatienten problematisch sein, insbesondere wenn das Kraftdefizit 25 % oder weniger beträgt.(13) Falls verfügbar, können andere Methoden, wie z.B. die Dynamometrie, eine genauere Bewertung der Kraft ermöglichen. (13)
Muskelschwäche ist bei Menschen mit Zerebralparese (CP) und anderen neurologischen Erkrankungen häufig und kann die Funktion beeinträchtigen. Bei der Untersuchung der Kraft von Menschen mit CP und anderen neurologischen Erkrankungen ist es wichtig, Faktoren wie veränderter Tonus/Spastizität, muskuläre Ungleichgewichte und verminderte motorische Kontrolle und Koordination zu berücksichtigen. Therapeuten müssen möglicherweise die Testverfahren anpassen, um genaue Ergebnisse zu erzielen.
In der klinischen Praxis wird für manuelle Muskeltests bei Menschen mit CP in der Regel die Oxford-Skala (auch bekannt als Medical Research Council Scale (MRCS)) verwendet. In Fällen, in denen eine detailliertere Quantifizierung der Muskelkraft erforderlich ist, können Kliniker Dynamometer verwenden, wenn diese verfügbar sind.(14) Das Functional Strength Measurement – Cerebral Palsy (FSM-CP) scheint ebenfalls eine zuverlässige und valide Methode zur Messung der funktionellen Kraft bei Menschen mit CP zu sein.(15)
Es gibt umfangreiche Forschungsarbeiten zur Messung der Muskelkraft bei Patienten mit neurologischen Problemen. Die Studien befürworten Methoden, die über manuelle Muskeltests hinausgehen. In Anbetracht ihrer Messeigenschaften, ihrer praktischen Anwendbarkeit und der Verfügbarkeit normativer Daten werden der Sit-To-Stand-Test, die Handdynamometrie (z.B. Jamar-Dynamometer) und die manuelle Dynamometrie (z.B. MicroFET 2) für eine breitere Anwendung empfohlen. (16)
Je nach den diagnostischen Kriterien treten bei 9-87 % der Patienten auf der Intensivstation neuromuskuläre Komplikationen auf. Dies kann zu einer verlängerten mechanischen Beatmung, einem verlängerten Krankenhausaufenthalt, einer längeren Rehabilitationszeit und einer potenziell erhöhten Sterblichkeit führen.(17)
Die Untersuchung der Muskelkraft von Patienten auf der Intensivstation umfasst manuelle Muskeltests und funktionelle Assessments. Bei dieser Patientengruppe müssen jedoch mehrere Faktoren berücksichtigt werden:
Die physiotherapeutische Befunderhebung bei Patienten auf der Intensivstation, einschließlich der Untersuchung der Kraft, wird hier ausführlicher besprochen.