Originale Autorin – Carin Hunter basierend auf dem Kurs von Marissa Fourie
Top-Beitragende – Carin Hunter, Merinda Rodseth, Kim Jackson, Tarina van der Stockt, Jess Bell und Olajumoke Ogunleye
Kommunikation ist ein wesentlicher Bestandteil jeder Interaktion mit Patienten(1) und kann einen erheblichen Einfluss auf die Behandlungsergebnisse haben.(2)(3) Kommunikation ist eine erlernbare Fertigkeit, die in die Ausbildung von medizinischen Fachkräften an Hochschulen weltweit integriert ist. Die Vermittlung kommunikativer Fertigkeiten basiert häufig auf Kommunikationsmodellen, die das Ergebnis umfangreicher Forschung sind und einen Rahmen für die Gewinnung klinischer Daten, den Aufbau einer Beziehung und die Entscheidung über das klinische Management bieten.(4)
Kurtz und Silverman(5) führten die Calgary-Cambridge Referenced Observation Guides ein, die sie Anfang der 2000er Jahre weiter verfeinerten. Dieser Leitfaden, der das medizinische Gespräch in fünf Schritten darstellt, ist das Ergebnis der Zusammenarbeit zweier sehr erfahrener Lehrer für klinische Kommunikation. Der Leitfaden war ursprünglich für den Einsatz in der klinischen Ausbildung an Hochschulen gedacht. Das Modell wurde inzwischen angepasst und in verschiedenen Fachbereichen eingesetzt und dient vielen Bildungseinrichtungen als Vorlage für die Ausbildung angehender Fachkräfte im Gesundheitswesen.(6)
Zu den Herausforderungen im Bereich der Kommunikationslehre gehören die Integration kommunikativer Fertigkeiten in andere klinische Fertigkeiten und die effektive Übertragung theoretisch vermittelter kommunikativer Fertigkeiten auf reale Szenarien. Laut Kurtz et al.(6) treten diese Schwierigkeiten auf, weil die Studierenden Schwierigkeiten haben, den Fokus auf den Inhalt des Gesprächs (d. h. die gewonnenen Informationen) mit dem Kommunikationsprozess während des Gesprächs (z. B. nonverbales Verhalten) zu verbinden. Das Calgary-Cambridge-Modell lehrt Kommunikation, wobei der Schwerpunkt gleichzeitig auf dem Inhalt und dem Prozess des Gesprächs liegt, wodurch die traditionelle klinische Methode der Anamnese mit effektiven kommunikativen Fertigkeiten integriert wird. Die patientenzentrierte Medizin wurde sowohl inhaltlich als auch prozessual integriert.(6)
Das Calgary-Cambridge-Modell wird in drei Diagrammen dargestellt, die das Training kommunikativer Fertigkeiten visuell und konzeptionell unterstützen. Das erste Diagramm (Abbildung 1) fasst das medizinische Gespräch als einen sequenziellen fünfstufigen Prozess zusammen: Beginn des Gesprächs, Sammeln von Informationen, körperliche Untersuchung, Erklären und Planen sowie Beendigung des Gesprächs.
Bei der traditionellen medizinischen Untersuchung werden die subjektive und die objektive Untersuchung als zwei verschiedene Einheiten betrachtet. Im Calgary-Cambridge-Leitfaden sind sie integriert, indem die „körperliche Untersuchung“ in das Modell aufgenommen wurde. Hierdurch wird die gegenseitige Abhängigkeit des Sammelns von Informationen aus der körperlichen Untersuchung und der verbalen Kommunikation im natürlichen Fluss einer echten medizinischen Befunderhebung veranschaulicht. Das Schaffen einer Struktur und der Aufbau einer Beziehung sind zwei Schritte, die sich durch das gesamte Gespräch hindurch fortsetzen und sich im Laufe des Gesprächs zunehmend weiterentwickeln. Abbildung 2 enthält detailliertere und erreichbare, evidenzbasierte Ziele für jeden der Schritte im medizinischen Gespräch. Das letzte Diagramm (Abbildung 3) zeigt die Wechselbeziehung zwischen Inhalt und Prozess am Beispiel des Sammelns von Informationen.(6)
Das Calgary-Cambridge-Modell bietet eine praktische, integrierte Methode, um sowohl den Kommunikationsprozess als auch die effektive Gewinnung von inhaltlichen Informationen zu vermitteln.(7)
Es berücksichtigt die Bedeutung einer patientenzentrierten Medizin, einschließlich des Aufbaus einer Beziehung und der gemeinsamen Entscheidungsfindung.(8) Das Modell dient als Grundlage für viele medizinische Gespräche und bietet Klinikern in allen Bereichen der Medizin weiterhin Orientierung.
Sehen Sie sich dieses Video an, wenn Sie mehr über den Calgary-Cambridge-Leitfaden für das medizinische Gespräch erfahren möchten:
Die Beendigung bezieht sich auf die letzte Phase des medizinischen Gesprächs, in der sowohl der Kliniker als auch der Patient ihre Perspektive von der Gegenwart auf die Zukunft verlagern, Pläne für das weitere Vorgehen konsolidieren und abschließen und sich trennen.(10) Diese Beendigung wird oft als wichtiger Teil des medizinischen Gesprächs missachtet, und Untersuchungen zeigen, dass ein angemessener Abschlussdialog in vielen klinischen Szenarien ganz weggelassen wird.(11) Der Abschluss bietet dem Kliniker eine letzte Gelegenheit, sich des richtigen Verständnisses und des Engagements des Patienten zu vergewissern. Er spielt auch eine wichtige Rolle für die Patientenzufriedenheit, die Wahrscheinlichkeit der Einhaltung der Anweisungen des Klinikers und damit für das Behandlungsergebnis.(10)(11)
Obwohl diese letzte Phase des Gesprächs oft als einfacher Abschluss und Beendigung der Sitzung wahrgenommen wird, beinhaltet sie eine komplexe Interaktion zwischen dem Kliniker und dem Patienten. Während der Beendigung sollte der Kliniker die Ergebnisse der Sitzung zusammenfassen, den Versorgungsplan, der während der gemeinsamen Entscheidungsfindung formuliert wurde, erläutern, das Verständnis des Patienten und nicht angesprochene Anliegen überprüfen und Pläne für die Zwischenzeit aufstellen, während er dem Patienten gegenüber Fürsorge und Mitgefühl zeigt.(10)(11)
Die Beendigung ist in zwei Teile unterteilt, nämlich die Vorausplanung und die Sicherstellung eines angemessenen Abschlusses.(12) Die Vorausplanung besteht aus dem „Contracting“, d.h. einer „Vertragsgestaltung“ mit dem Patienten hinsichtlich der nächsten Behandlungsschritte, und dem „Safety Netting“ (etwa: „Sicherheitsnetze spannen“). Bei der Sicherstellung des angemessenen Abschlusses folgt auf eine kurze Klärung und Zusammenfassung eine abschließende Überprüfung, ob der Patient sich wohlfühlt, dem Plan zustimmt und sich zu ihm verpflichtet (Kasten 1). Obwohl das Calgary-Cambridge-Modell eine theoretische Übersicht über die verschiedenen Schritte gibt, die während der Beendigung des Gesprächs erreicht werden müssen, erfolgen diese oft nicht nacheinander und sind auch nicht exklusiv oder unabhängig voneinander. In der Praxis kann die Beendigung des Gesprächs aus einem kurzen Dialog mit nur ein paar Sätzen bestehen, in dem alle im Modell beschriebenen Schritte enthalten sind.
Das „Contracting“ (etwa: Vertragsgestaltung) erfordert die Zustimmung und Kooperation der Patienten, um den vorgeschlagenen Behandlungsplan fortzusetzen. Das Contracting bietet die Möglichkeit, zusammenzufassen, zu konsolidieren, zu vereinbaren und zu den letzten Phasen des Abschlusses überzugehen. Es werden zwei Methoden des Contracting diskutiert:
In diesen beiden Sequenzen sind auch Aspekte der Klärung/Zusammenfassung und der abschließenden Überprüfung enthalten.
Die Sequenz der Vereinbarungen besteht im Wesentlichen aus vier Schritten:
Im Falle einer Nichtannahme wird eine Verhandlungsphase eingeleitet, bis eine gegenseitige Einigung erzielt wird.(13) Wenn jedoch zu einem früheren Zeitpunkt des Gesprächs eine geeignete gemeinsame Entscheidungsfindung stattgefunden hat, ist die Nichtannahme in der Regel keine relevante Ablehnung, sondern eher eine Erklärung, um sicherzustellen, dass alles von beiden Seiten verstanden wird.
Ein Beispiel für die Sequenz der Vereinbarungen mit der Annahme durch den Patienten ist in Kasten 2 dargestellt. Das gleiche Szenario ist in Kasten 3 dargestellt, allerdings mit einem Beispiel für eine Nichtannahme.
| Der Kliniker macht einen Vorschlag: „Okay, wie besprochen sollte sich Ihr Daumen in den nächsten Tagen gut erholen, vorausgesetzt, Sie lassen ihn in der Schiene, um ihn optimal zu schützen und die Bewegung auf ein Minimum zu beschränken. Sie können auch einige Medikamente einnehmen, wie vom Hausarzt verschrieben.“ Die Patientin nimmt den Vorschlag an: „Klingt gut.“
Der Kliniker bittet um Bestätigung: „Gut, dann ist es für Sie in Ordnung, die Schiene nur abzunehmen, wenn Sie Ihre Hände nass machen müssen, und den Daumen in der nächsten Woche so wenig wie möglich zu benutzen?“ Die Patientin bestätigt: „Ja, natürlich.“ |
Kasten 2: Ablauf einer Sequenz der Vereinbarungen mit einer Patientin, die den Vorschlag annimmt
| Der Kliniker macht einen Vorschlag: „Okay, wie besprochen sollte sich Ihr Daumen in den nächsten Tagen gut erholen, vorausgesetzt, Sie lassen ihn in der Schiene, um ihn optimal zu schützen und die Bewegung auf ein Minimum zu beschränken. Sie können auch einige Medikamente einnehmen, wie vom Hausarzt verschrieben.“ Die Patientin nimmt den Vorschlag nicht an: „Ähm… ich bin nur etwas besorgt über das Baden meines Babys… Mein Mann sollte gerne mehr bei den Babyaufgaben helfen, aber ich fürchte, er wird das Baden nicht übernehmen. Kann ich das wenigstens machen?“
Der Kliniker verhandelt und untersucht das Problem: „Das ist völlig verständlich. Es sollte den Heilungsprozess nicht verzögern, wenn Sie die Schiene beim Baden des Babys abnehmen, aber dann müssen Sie möglicherweise vorsichtiger sein, um den Daumen nicht zu überlasten.“ (Der Kliniker nimmt sich etwas Zeit, um der Patientin die geeignete Technik zu erklären und vorzuführen.) Der Kliniker bittet um Bestätigung: „Gut, fühlen Sie sich damit wohl? Ist es für Sie in Ordnung, sie nur abzunehmen, wenn Sie Ihre Hände nass machen müssen, und den Daumen in der nächsten Woche so wenig wie möglich zu benutzen?“ Die Patientin bestätigt: „Ja, die Technik, die Sie mir gezeigt haben, wird perfekt funktionieren. Ich bin damit einverstanden, den Daumen für den Rest der Zeit in der Schiene zu lassen.“ |
Kasten 2: Ablauf einer Sequenz der Vereinbarungen mit einer Patientin, die den Vorschlag nicht annimmt
In der Sequenz der abschließenden Anliegen gibt der Kliniker eine Zusammenfassung dessen, was entschieden wurde. Danach wird der Patient gebeten zu bestätigen, ob er den vorgeschlagenen Behandlungsplan verstanden hat. Etwaige Unklarheiten sollten dann angesprochen und geklärt werden. Der Kliniker stellt in der Regel eine Frage wie „Haben Sie noch Fragen?“ oder „Sonst noch etwas?“ Der Patient kann entweder mit „Ja“ oder „Nein“ antworten. Wenn ein Patient bestätigt, dass er alles verstanden hat und keine weiteren Fragen hat (d. h. eine Nein-Antwort) kann der Kliniker mit den letzten Schritten der Beendigung fortfahren. Wenn Unklarheiten oder Fragen auftreten (d. h. eine Ja-Antwort), werden entweder neue Anliegen geäußert oder das bestehende Anliegen weiterverfolgt. Der Kliniker sollte dann zunächst auf das Anliegen eingehen oder es auf eine Folgesitzung verschieben. Danach sollte die Sequenz neu gestartet werden. Dieser Prozess sollte fortgesetzt werden, bis der Patient keine weiteren Unsicherheiten mehr hat und das Gespräch zum Abschluss kommen kann.(13)
Ein Beispiel für die letzte Sequenz, in der keine Fragen mehr gestellt werden, finden Sie in Kasten 4. Kasten 5 enthält ein Beispiel für das gleiche Szenario wie Kasten 4, bei dem jedoch die Unsicherheit des Patienten zum Ausdruck gebracht und angesprochen wird.
| Der Kliniker fasst zusammen: „Okay, wir haben vereinbart, dass Ihr Sohn die Übungen, die wir heute gemacht haben und die wir für Sie aufgeschrieben haben, fortsetzt. Wie bereits erwähnt, sollte er anfangen, sich von seinen Krücken zu entwöhnen und das volle Gewicht auf den Fuß bringen. Er kann immer noch eine Krücke benutzen, wenn er tagsüber längere Zeit auf den Beinen ist oder wenn er wirklich müde wird. Aber versuchen Sie, ihn zu motivieren, die Krücken zu Hause gar nicht zu benutzen und selbstbewusst auf seinen Fuß zu steigen.“Der Kliniker stellt eine Ja/Nein-Frage: „Haben Sie noch Fragen?“
Der Patient (Betreuungsperson) antwortet: „Nein, keine Fragen. Vielen Dank!“ Das Interview geht dann zum Abschluss über. |
Kasten 4: Sequenz der abschließenden Anliegen mit einer Nein-Antwort
| Der Kliniker fasst zusammen: „Okay, wir haben vereinbart, dass Ihr Sohn die Übungen, die wir heute gemacht haben und die wir für Sie aufgeschrieben haben, fortsetzt. Wie bereits erwähnt, sollte er anfangen, sich von seinen Krücken zu entwöhnen und das volle Gewicht auf den Fuß bringen. Er kann immer noch eine Krücke benutzen, wenn er tagsüber längere Zeit auf den Beinen ist oder wenn er wirklich müde wird. Aber versuchen Sie, ihn zu motivieren, die Krücken zu Hause gar nicht zu benutzen und selbstbewusst auf seinen Fuß zu steigen.“Der Kliniker stellt eine Ja/Nein-Frage: „Haben Sie noch Fragen?“
Der Patient (Betreuungsperson) antwortet: „Ja, es gibt eine Sache, die mir etwas Sorge bereitet. Wenn er morgens aufsteht, scheint das Sprunggelenk wirklich ziemlich steif und schmerzhaft zu sein, und er zögert, es zu belasten. Würden Sie vorschlagen, dass er dann mit oder ohne Krücke gehen sollte?“ Der Kliniker löst das Problem und bittet um Bestätigung: „Sehr berechtigte Frage!“ (Schlägt vor, vor dem Gehen Aufwärmübungen zu machen und dann die Situation neu zu bewerten.) „Ergibt das einen Sinn?“ Der Patient bestätigt: „Das macht Sinn, wir werden es versuchen.“ Der Kliniker stellt eine Ja/Nein-Frage: „Gut. Gibt es noch weitere Fragen?“ Der Patient antwortet: „Nein, alles in Ordnung, danke.“ Das Gespräch geht dann zum Abschluss über. |
Kasten 5: Sequenz der abschließenden Anliegen mit einer Ja-Antwort
Safety Netting (etwa: „ein Sicherheitsnetz spannen“) ist die Vermittlung von Informationen und die Organisation aller auf die Erkrankung bezogenen Fragen, die nach der aktuellen Sitzung und vor der Nachsorge auftreten können. Ziel des Safety Netting ist es, Unsicherheiten in Bezug auf die Diagnose und den Umgang mit der vorliegenden Erkrankung auszuräumen und den Patienten mit Wissen und einem Notfallplan zum Umgang mit seiner Erkrankung zu befähigen. Der Kliniker fasst in der Regel seine Befunde und/oder Diagnose zusammen, weist den Patienten an, alle relevanten unerwünschten Symptome zu erkennen, die sich nach der Sitzung entwickeln können, und stellt dem Patienten einen Plan zur Verfügung, in dem detailliert aufgeführt ist, an wen er sich im Falle unerwarteter Entwicklungen wenden kann. Safety Netting vermittelt dem Patienten nicht nur die Fähigkeit zum Selbstmanagement, sondern schützt auch den Kliniker vor potenziellen Vorwürfen der Vorenthaltung von Informationen. Aus diesem Grund wird empfohlen, die spezifischen Informationen, die dem Patienten während des Safety Netting zur Verfügung gestellt werden, ordnungsgemäß zu dokumentieren.(14)
Safety Netting umfasst mehrere Aspekte, darunter die Mitteilung von Unsicherheiten, Hinweise zu besorgniserregenden Symptomen und Red Flags, den erwarteten zeitlichen Verlauf der Krankheit, wie und wann ärztliche Hilfe in Anspruch genommen werden sollte, die Vereinbarung geplanter Folgetermine bzw. Nachsorge und die praktischen Auswirkungen von Untersuchungen der Primärversorgung. Eine Zusammenfassung dieser Aspekte ist in Tabelle 1 enthalten.
| Angesprochener Aspekt | Empfehlungen |
| 1. Mitteilung von Unsicherheiten | Jede Unsicherheit bezüglich der Diagnose sollte dem Patienten mitgeteilt werden, damit er die Möglichkeit einer erneuten Beratung hat. Auch Unsicherheiten bezüglich der Ätiologie sollten offengelegt werden, um das Risiko einer falschen Entwarnung zu verringern. |
| 2. Hinweise zu besorgniserregenden Symptomen/Red Flags | Der Patient sollte wissen, auf welche krankheitsspezifischen Red Flags oder besorgniserregenden Symptome er achten muss und wie dringend er reagieren sollte, wenn solche Symptome auftreten. |
| 3. Erwarteter zeitlicher Verlauf der Krankheit | Symptome, die länger anhalten als für die vorgeschlagene Diagnose erwartet, können eine weitere Untersuchung rechtfertigen; daher sollten Patienten über den normalen zeitlichen Verlauf der Krankheit/Genesung informiert werden. |
| 4. Aufsuchen weiterer ärztlicher Hilfe | Wenn Red Flags oder besorgniserregende Symptome auftreten, sollte der Patient wissen, wo er ärztliche Hilfe suchen kann. Informationen wie Kontaktdaten und spezifische Verfahren können im Voraus mitgeteilt werden, für den Fall, dass sie benötigt werden. |
| 5. Vereinbarung geplanter Folgetermine | Wenn ein Folge- oder Nachsorgetermin erforderlich ist, sollten Sie anbieten, einen Termin für den Patienten zu vereinbaren, anstatt ihn zu bitten, dies selbst zu tun. |
| 6. Management von Untersuchungen im Rahmen der Primärversorgung | Bei Untersuchungen wie Röntgenaufnahmen oder Labortests sollten die Patienten verstehen, welche Rolle die Untersuchung spielt, wie sie durchgeführt wird und wie und wann ihnen die Ergebnisse mitgeteilt werden. |
Tabelle 1: Aspekte des Safety Netting(14) (angepasst)
Die letzte Phase der Beendigung besteht aus einer kurzen Zusammenfassung, der Fertigstellung von Plänen und der Verabschiedung.(10) Die in diesem Dokument beschriebenen Methoden des Contractings beinhalten bereits ein gewisses Maß an Klärung, Zusammenfassung und Kontrolle. Wenn diese umfassend durchgeführt wurden, ist diese Phase daher nur kurz, um den Vorgang abzuschließen und sicherzustellen, dass keine Unklarheiten bestehen. Der letzte Teil des medizinischen Gesprächs ist oft unbeschwerter, mit etwas Humor und sozialer Interaktion zwischen Kliniker und Patient. Dies ist eine gute Gelegenheit für den Kliniker, eine fürsorgliche Haltung zu zeigen und das Verhältnis und die Beziehung weiter zu stärken. Der Austausch in den letzten Momenten des Gesprächs sollte auch der Ermutigung und Beruhigung dienen, mit dem Ziel, dass sich der Patient gehört, verstanden, priorisiert und gut betreut fühlt.(15)
„Doorknob Concerns“ (etwa: Türknaufanliegen) sind Wünsche oder Nachfragen von Patienten, die am Ende der medizinischen Sitzung auftreten und weder erwartet noch geplant waren. Diese zusätzlichen Anliegen ergeben sich manchmal aus Antworten auf Ja/Nein-Fragen, die der Kliniker am Ende der Sequenz der abschließenden Bedenken stellt, oder sie treten spontan kurz vor oder während der Verabschiedung auf. Oft geht ihnen ein nachdenkliches Schweigen des Patienten voraus, und sie können mit Worten/Sätzen wie „… nun ja“, „… ähm“, „… Oh! …“, „… noch etwas“, „… und …“ und „… da ich schon mal hier bin …“ beginnen.(16)
Es gibt mehrere Gründe, warum Patienten bis zum Ende der Sitzung warten, bevor sie weitere Bedenken äußern. Oftmals schämen sich Patienten für ihre Erkrankung, insbesondere bei einem typischerweise stigmatisierten Thema, und fühlen sich erst dann wohl, wenn eine Art Beziehung zum Kliniker hergestellt wurde. Patienten mit einer langen und komplexen Anamnese haben oft mehr als eine Komorbidität, die ebenfalls berücksichtigt werden muss, und sie sprechen ein zweites Anliegen oft erst an, wenn das erste Problem besprochen wurde. Bei einigen Patienten reichte die Zeit während dem Sammeln der Informationen einfach nicht aus, um auch ihr zusätzliches Problem offenzulegen. Der gemeinsame Faktor ist in der Regel entweder eine schlechte Vorbereitung und Kommunikation seitens des Patienten oder eine schlechte Anleitung und mangelnde Fertigkeiten des Klinikers in der Gesprächsführung oder eine Kombination aus beidem.(16)(17)
Doorknob Concerns sind mit einer Häufigkeit von 15 bis 40 % bei Arztbesuchen ein häufiges Phänomen. Dieses Phänomen ist für die meisten medizinischen Fachkräfte eine Quelle der Frustration. Es beeinträchtigt das Zeitmanagement und die Arbeitsroutine und erhöht den Druck auf den Kliniker, was häufig zu einer schlechteren Versorgungsqualität und zu medizinischen Fehlern führt.(16) In diesen kurzen Zeiträumen werden jedoch oft wichtige Informationen offengelegt, und Kliniker sollten darauf achten, potenziell medizinisch bedeutsame Probleme nicht aus Zeitdruck zu vernachlässigen. Falls erforderlich, sollte eine Überweisung an einen Kollegen oder die Vereinbarung eines Folgetermins zur Klärung des neuen Anliegens erfolgen.(18)
Kliniker können die Häufigkeit von Doorknob Concerns reduzieren, indem sie ihre Fertigkeiten und Organisation im Hinblick auf medizinische Gespräche anpassen und verfeinern. Zunächst sollten Kliniker sicherstellen, dass bereits zu Beginn des Termins genügend Raum und Gelegenheit für Fragen und Anliegen zur Verfügung steht. Es wird empfohlen, zu Beginn der Sitzung eine Liste der Dinge zu erstellen, die der Patient ansprechen möchte. Auch die Besprechung der Tagesordnung und des Zeitplans zu Beginn der Sitzung ist wichtig. Während des Gesprächs sollten die Kliniker aufmerksam auf den Inhalt der Schilderungen des Patienten hören und auf nonverbale Hinweise achten. Durch aufmerksames Zuhören kann der Kliniker möglicherweise zugrunde liegende Bedenken im Voraus erkennen und entsprechend darauf eingehen. Schließlich wird empfohlen, nach Möglichkeit einen Folgetermin zu vereinbaren, um das neue Problem umfassender angehen zu können.(17)
Die Beendigung des Gesprächs ist ein wichtiger Teil der Begegnung, der nicht unterschätzt werden sollte. Ein angemessener Abschluss der Sitzung vermittelt dem Patienten Trost, Bestätigung und Vertrauen und vermittelt ihm Wissen über die weitere Behandlung der vorliegenden Erkrankung. Der Prozess des Contractings stellt sicher, dass der Patient sich engagiert und alles versteht, und schützt den Kliniker vor Nichtoffenlegung. Die Beendigung des Gesprächs ist im Wesentlichen der Klebstoff, der das gesamte medizinische Gespräch mit dem Rest des Behandlungsplans verbindet. Wenn sie gut durchgeführt wird, dient sie als hervorragende Grundlage für das weitere Management.