Die Beurteilung einer Verletzung bei einem Balletttänzer kann eine schwierige Aufgabe sein. Nach einem grundlegenden Verständnis der Fuß- und Sprunggelenksanatomie kann die Anwendung biomechanischer Prinzipien dem Therapeuten helfen, sich ein klares Bild vom Behandlungsplan zu machen. Tänzerinnen und Tänzer verbringen die meiste Zeit in extremen Positionen, insbesondere in der Plantarflexion und Dorsalextension ihres Sprunggelenks. Wenn Fachleute (Therapeuten, Trainer, Tänzer usw.) die Anforderungen für diese Positionen und die entstehenden Belastungen nicht verstehen, kann es zu Kompensationen weiter oben in der Bewegungskette kommen, was zu Schmerzen und Verletzungen führt.
Es gibt zwar keinen „idealen“ Ballettfuß, aber die folgenden Merkmale können als optimal angesehen werden:(1)
Die Kombination von Bewegungen der subtalaren und tibiotalaren Gelenke verursacht Supination und Pronation.(1)
Ein ausreichendes Bewegungsausmaß (Range of Motion – ROM) im Sprunggelenk ist für den Balletttänzer unerlässlich. Ein unzureichendes Bewegungsausmaß kann zu Schmerzen, Kompensationen und Verletzungen führen.(1)
Das zu erwartende Bewegungsausmaß der Plantarflexion eines durchschnittlichen Menschen beträgt 30-50 Grad, während das erwartete Bewegungsausmaß der Dorsalextension bei gestrecktem Knie 10 Grad beträgt. Wenn das Knie gebeugt ist, beträgt das zu erwartende Bewegungsausmaß der Dorsalextension 20 Grad.(5) Daraus ergibt sich ein durchschnittlicher durchgehender Messbereich von 40 – 70 Grad.
Ein Balletttänzer arbeitet auf ein Gesamtausmaß von 90 Grad hin, wobei einige Berichte von bis zu 101 Grad bei Elitetänzern vorliegen.(6)(7)
Aufgrund des repetitiven Charakters des Balletttrainings und der Notwendigkeit, auf Spitze zu stehen (d. h. in einer plantarflektierten Position), weisen Balletttänzer häufig einen erhöhtes Bewegungsausmaß der Plantarflexion auf.(8) Dies führt in der Regel auch zu einer Abnahme der Dorsalextension, sofern diese nicht angemessen trainiert wird. Wenn eine Tänzerin oder ein Tänzer in ihrer / seiner Disziplin Fortschritte macht, wird dies zu einer sehr häufigen Komplikation(9) und muss von den behandelnden Fachleuten angegangen werden, da sie zu Komplikationen auf höheren Ebenen führen kann.
Wenn eine Tänzerin oder ein Tänzer im Ballett Fortschritte macht und von der Halbspitzenposition (d. h. die Tänzerin oder der Tänzer steht auf den Fußballen) zur vollen Spitzenposition übergeht, ist auch eine Zunahme von Fuß- und Sprunggelenksschmerzen zu beobachten.(10) Eine Tänzerin oder ein Tänzer muss über die Biomechanik des Fußes unterrichtet sein und verstehen, dass der Hauptscharnierpunkt im Fuß das Sprunggelenk sein muss. Daher ist am Sprunggelenk ein volles Bewegungsausmaß erforderlich, während die kleineren Gelenke im Fuß oft in einer verriegelten Position bleiben müssen.
„(Muskelkraft-)Defizite tragen zu einer fehlerhaften Mechanik bei, einschließlich einer verstärkten Kompensation der Inversion/Eversion des Sprunggelenks in dem Bemühen, auf Spitze zu kommen/eine Position beizubehalten, einer verringerten Stabilität, wenn man einmal auf Spitze ist, einem Umknicken und einem verringerten Bewegungsausmaß der Plantarflexion, um eine ideale Positionierung des Körpers über den Zehen zu ermöglichen.“(10)
Ein starker, gut ausgerichteter Fuß unterstützt die Ausrichtung weiter oben in der Kette. Eine schlechte Ausrichtung ist ein Hauptrisikofaktor für Fuß- und Sprunggelenkverletzungen bei allen Balletttänzern, sowohl bei Freizeit- als auch bei Berufstänzern.(11) Eine gute Ausrichtung ist wichtig, um die Kontrolle und Kraft zu verbessern und Verletzungen im Sprunggelenks- und Fußbereich zu vermeiden.
Bei der Spitze und Halbspitze wird unser Körpergewicht über die Tibia auf den Talus übertragen. Der Talus bildet vorne ein Gelenk mit dem Os naviculare, das wiederum Gelenke mit den Ossa cuneiformia und mit dem ersten, zweiten und dritten Os metatarsale und den Zehen bildet. Das Körpergewicht sollte sich mehr auf die medialen oder inneren drei Zehen konzentrieren, wenn die Tänzerin oder der Tänzer die Kräfte des Körpergewichts korrekt durch die Schuhe auf den Boden übertragen soll. Es muss darauf geachtet werden, dass das Gewicht durch den 2. Mittelfußknochen getragen wird, wenn man sich durch den Fuß bewegt oder auf Halbspitze/Spitze steht. Dadurch können die fünf Knochen des Mittelfußes „verriegeln“ und die Tänzerin oder der Tänzer hat einen stabileren Fuß, mit dem sie/er arbeiten kann. Der Einsatz der tiefen Hüftaußenrotatoren ist von entscheidender Bedeutung, da ein Ausdrehen der Hüfte zu einer Supination des Rückfußes (angehobenes Fußgewölbe) führt, wodurch auch der Mittelfußbereich verriegelt wird.(1)
In der „perfekten“ Halbspitze/Spitze sollte die Mitte des Sprunggelenks auf die zweite Zehe der Tänzerin oder des Tänzers ausgerichtet sein. Ein visuelles Hilfsmittel, das relativ einfach zu verwenden ist und sowohl dem Lehrer als auch der Tänzerin und dem Tänzer helfen kann, die „richtige“ von der „falschen“ Ausrichtung zu unterscheiden, ist das folgende: Der Schüler wird gebeten, den Mittelpunkt zwischen den Malleolen mit einem Stift zu markieren. Dann wird eine gerade Linie zwischen dieser Markierung und der Mittellinie der zweiten Zehe gezogen. Beim Stehen auf Halbspitze oder Spitze sollte diese Linie senkrecht bleiben (siehe Abbildung unten).(1)
Die korrekte Ausrichtung von Fuß, Sprunggelenk, Bein, Hüfte und Wirbelsäule ist entscheidend für den richtigen Einsatz der Muskeln. Eine falsche Ausrichtung von Fuß, Sprunggelenk, Bein, Hüfte und Wirbelsäule kann dazu führen, dass die Tänzerin oder der Tänzer versucht, Bewegungen zu erzwingen, was zu einer Überbeanspruchung von Muskeln führen kann, die nicht für das Tanzen vorgesehen sind. Die Folge davon ist eine ständige Steifheit/Verspannung in den Hüftgelenken sowie in den Oberschenkel- und Wadenmuskeln, die behandelt werden muss.(1)
Der Fuß hat drei Fußgewölbe:(1)
Hilft bei der Unterstützung und Stoßdämpfung, der Stabilität und dem Gleichgewicht, vor allem im Relevé
Diese Bögen tragen zu einer normalen Gewichtsverteilung, Stabilität und Verteilung beim Tanzen bei. Die Fußgewölbe werden von den Fußwurzel- und Mittelfußknochen gebildet. Ihre Form ermöglicht es ihnen, wie eine Sprungfeder zu wirken, das Gewicht des Körpers zu tragen und die beim Tanzen entstehenden Stöße abzufedern.(1)
Die drei Punkte, die den Boden berühren, werden als „Dreibein“ (Tripod) des Fußes bezeichnet und sind:
Die Höhe der Fußgewölbes wird durch die Knochenstruktur bestimmt und durch Muskeln und die Flexibilität der Bänder beeinflusst. Das Fußgewölbe von Tänzerinnen und Tänzern wird gemeinhin so beschrieben:(1)
Ein mittelhohes Gewölbe wird als ideal angesehen. Es ermöglicht eine gute Stoßdämpfung und Flexibilität, da die Bänder nicht so straff sind, dass sie die Bewegung einschränken.(1)
Wie bereits erwähnt, sind die Fußgewölbe wichtig für eine optimale Funktion, aber für eine Ballettänzerin oder Balletttänzer ergeben sich interessante Komplikationen bei unregelmäßigen Fußgewölben.(1)
Der menschliche Fuß verfügt über 19 intrinsische Muskeln.(12) Die wichtigste Aufgabe der intrinsischen Fußmuskulatur für Balletttänzerinnen und Ballettänzer besteht darin, der krallenden Wirkung der langen Zehenbeuger entgegenzuwirken. Wenn die Zehen an den Zehengrundgelenken gebeugt werden, hilft die Wirkung der intrinsischen Muskeln, die Interphalangealgelenke gerade zu halten.(1)
Eine weitere wichtige Struktur ist die Plantarfaszie. Die Plantarfaszie ist eine Sehnenplatte aus Bindegewebe, die entlang der Fußsohle verläuft. Sie dient als Hauptstütze für das mediale Längsgewölbe und spielt daher eine Schlüsselrolle bei der Stabilisierung des Fußes bei Aktionen, die einen Abstoß vom Boden für die Propulsion erfordern (z. B. Springen oder Laufen).
Damit eine Tänzerin oder ein Tänzer ein gutes en dehors hat (d. h. in der Hüfte rotieren, um die Füße nach außen zu drehen), braucht sie/er Beweglichkeit und Kraft weiter oben in der Kette. Wenn dies nicht der Fall ist (z. B. wenn keine ausreichende Außenrotation in den Hüften vorhanden ist,(13) um ein korrektes Turnout zu ermöglichen), finden wir in der Regel DREI Kompensationen:(4)
Eine Überpronation (d. h. eine übermäßige Pronation des Sprunggelenks) führt häufig zu einer Belastung der stützenden Strukturen wie Bänder und Sehnen sowohl auf der medialen als auch auf der plantaren Seite des Fußes. Das kann zu Folgendem führen:
Einem Artikel von Nowacki et al. zufolge(16) wurde festgestellt, dass die Überpronation auch zu den folgenden Erkrankungen beiträgt: