Originale Autorin – Megyn Robertson
Top-Beitragende – Simisola Ajeyalemi, Kim Jackson , Rachael Lowe, Shaimaa Eldib, Mandy Roscher, Megyn Robertson, Samuel Adedigba, Stacy Schiurring, Jess Bell und Olajumoke Ogunleye
Das VOMS-Assessment ist ein Instrument, mit dem die Anzeichen und Symptome einer Gehirnerschütterung (Concussion) ermittelt werden können. Die Entwickler des VOMS-Assessments stellen fest:(1)
Beeinträchtigungen des vestibulookulären Systems äußern sich in der Regel durch Schwindel und visuelle Instabilität. Fast 30 % der Sportler mit Gehirnerschütterung berichten über Sehprobleme in der ersten Woche nach der Verletzung.(2) Okulomotorische Beeinträchtigungen und Symptome können sich in Form von verschwommenem Sehen, Diplopie (Doppelbilder), gestörten Augenbewegungen, Leseschwierigkeiten, Schwindel, Kopfschmerzen, Augenschmerzen und Konzentrationsstörungen äußern.(3) Schwindel, der auf eine zugrundeliegende Beeinträchtigung des vestibulären und/oder okulomotorischen Systems zurückzuführen sein kann, wird von 50 % der Sportler mit Gehirnerschütterung angegeben(2) und ist im Vergleich zu jedem anderen Symptom auf dem Spielfeld mit einem 6,4-fach höheren Risiko einer langwierigen (>21 Tage) Genesung verbunden.(4)
Gehirnerschütterungen können die okulomotorische Funktion direkt beeinträchtigen. Nach einer Gehirnerschütterung kommt es häufig zu Augenproblemen (gestörte Blickfolge). Insbesondere die Hirnnerven III, IV und VI, die die Augenmuskeln innervieren, sind überall auf dem Weg vom Hirnstamm zu den Augenmuskeln verletzungsanfällig, so dass dies untersucht werden muss.
Das Vestibular/Ocular Motor Screening (VOMS) ist ein kurzes 5-10-minütiges Screening-Tool für Gehirnerschütterungen (Concussions). Es wurde vorgeschlagen, dass es als eine einzelne Komponente eines umfassenden Ansatzes zur Beurteilung von Gehirnerschütterungen dienen kann.(5)(6) Neuere Erkenntnisse deuten darauf hin, dass das VOMS in Kombination mit anderen Assessment-Instrumenten bei der Ergebnisvorhersage für Personen nach einer Gehirnerschütterung bzw. einem leichten Schädel-Hirn-Trauma (SHT Grad I) hilfreich sein kann.(7)(8)(9)
Das VOMS-Assessment hat sich als zuverlässiges und klinisch relevantes Assessment-Instrument etabliert, das bei korrekter Anwendung das Screening und die Überweisung zur weiteren Untersuchung und Behandlung von vestibulären und/oder okulomotorischen Funktionsstörungen nach einem leichten SHT verbessern kann.(8)
Der Test ist für Patienten im Alter von 9 bis 40 Jahren konzipiert; bei Patienten außerhalb dieses Altersbereichs kann die Interpretation variieren.
Für diesen Test benötigen Sie: ein Maßband (cm), ein Ziel mit einer Schriftgröße von 14 Punkt und ein Metronom.
Der Test bewertet vestibuläre und okulomotorische Beeinträchtigungen durch vom Patienten angegebene Symptomprovokation nach jeder Aufgabe.(5) Das Assessment beinhaltet eine Erfassung der Ausgangssymptome (Baseline) und 5 Aufgaben, die in der Tabelle (siehe unten) aufgeführt sind. Die Patienten bewerten nach jeder VOMS-Aufgabe verbal die Veränderungen der Symptome Kopfschmerzen, Schwindel, Übelkeit und Benommenheit im Vergleich zu ihrem unmittelbaren Zustand vor dem Test auf einer Skala von 0 (keine Symptome) bis 10 (starke Symptome), um festzustellen, ob jede Aufgabe Symptome hervorruft.
Vor der Durchführung der 5 Aufgaben des VOMS-Assessments ist es wichtig, die Ausgangssymptome des Patienten zu ermitteln. Bitten Sie den Patienten, seine Symptome in Ruhe auf einer Skala von 0 bis 10 zu bewerten: Kopfschmerzen, Schwindel, Übelkeit und Benommenheit.
Für jede Aufgabe sollte eine Symptomprovokation als positives Ergebnis gewertet werden.(10) Zu den provozierten Symptomen können unter anderem Kopfschmerzen, Schwindel, Übelkeit und Benommenheit gehören.
Bei diesem Test wird die Fähigkeit getestet, einem sich langsam bewegenden Ziel mit den Augen zu folgen. Der Patient und der Untersucher sitzen sich gegenüber. Der Untersucher hält eine Fingerspitze (Ziel) in einem Abstand von ca. 90 Zentimeter vom Patienten entfernt auf Augenhöhe. Der Patient wird angewiesen, das Ziel zu fokussieren, während der Untersucher das Ziel gleichmäßig in horizontaler Richtung ca. 45 cm nach rechts und ca. 45 cm nach links von der Mittellinie bewegt. Eine Wiederholung ist abgeschlossen, wenn das Ziel nach beiden Richtungen in die Ausgangsposition zurückgekehrt ist. Es werden 2 Wiederholungen durchgeführt. Das Ziel sollte in einer Geschwindigkeit bewegt werden, die etwa 2 Sekunden von ganz links bis nach ganz rechts benötigt. Der Test wird wiederholt, indem der Untersucher das Ziel langsam und gleichmäßig in vertikaler Richtung ca. 45 cm nach oben und ca. 45 cm nach unten von der Mittellinie aus für 2 vollständige Wiederholungen auf und ab bewegt. Auch hier sollte das Ziel in einer Geschwindigkeit bewegt werden, die etwa 2 Sekunden benötigt, um die Augen vollständig nach oben zu bewegen, und 2 Sekunden, um sie vollständig nach unten zu bewegen.
Bewerten: Kopfschmerzen, Schwindel, Übelkeit und Benommenheit nach der Aufgabe.
Bei diesem Test wird die Fähigkeit der Augen getestet, sich schnell zwischen Zielen zu bewegen. Der Patient und der Untersucher sitzen sich gegenüber.
Bewerten: Kopfschmerzen, Schwindel, Übelkeit und Benommenheit nach der Aufgabe.
Bewerten: Kopfschmerzen, Schwindel, Übelkeit und Benommenheit nach der Aufgabe.
Die Konvergenz wird sowohl anhand der Symptome als auch durch eine objektive Messung des Konvergenznahpunkts (Near Point of Convergence – NPC) bewertet, wobei die NPC-Werte über 3 Versuche gemittelt werden. Normale NPC-Werte liegen bei unter 5 cm.(11)
Der Test misst die Fähigkeit, ein nahes Ziel mit beiden Augen ohne Doppelbilder zu sehen. Der Patient sitzt und trägt (falls erforderlich) Korrekturlinsen. Der Untersucher sitzt vor dem Patienten und beobachtet dessen Augenbewegungen während dieses Tests. Der Patient fokussiert ein kleines Ziel (ca. 14 Punkt Schriftgröße) in Armlänge und führt es langsam in Richtung Nasenspitze. Der Patient wird angewiesen, die Bewegung des Ziels zu stoppen, wenn er das Ziel als zwei unterschiedliche Bilder sieht (Doppeltsehen) oder wenn der Untersucher eine Abweichung (Deviation) eines Auges nach außen feststellt. Eine Unschärfe beim Nahsehen wird ignoriert. Der Abstand in Zentimetern zwischen der Stelle, an der das Ziel angehalten wird, und der Nasenspitze wird mit einem Maßband gemessen und aufgezeichnet. Dieser Vorgang wird insgesamt 3 Mal wiederholt, wobei jedes Mal die Messung aufgezeichnet wird.
Bewerten: Kopfschmerzen, Schwindel, Übelkeit und Benommenheit nach der Aufgabe. Abnormal: Nahe Konvergenznahpunkt ≥ 6 cm von der Nasenspitze.
Dieser Test beurteilt die Fähigkeit, den Blick zu stabilisieren, während sich der Kopf bewegt. Der Patient und der Untersucher sitzen sich gegenüber. Der Untersucher hält ein Ziel mit einer Schriftgröße von etwa 14 Punkt in der Mittellinie in einem Abstand von ca. 90 cm vor den Patienten in Augenhöhe.
– Horizontaler VOR-Test: Der Patient wird gebeten, seinen Kopf horizontal zu drehen, während er das Ziel fokussiert. Mit einem Metronom, das auf 180 Schläge pro Minute (bpm) eingestellt ist, wird der Kopf mit einer Amplitude von 20 Grad nach jeder Seite im Takt bewegt. Eine Wiederholung ist abgeschlossen, wenn der Kopf nach beiden Richtungen in die Ausgangsposition zurückkehrt, und es werden 10 Wiederholungen durchgeführt.
Bewerten: Kopfschmerzen, Schwindel, Übelkeit und Benommenheit nach der Aufgabe.
– Vertikaler VOR-Test: Der Test wird wiederholt, wobei der Patient seinen Kopf vertikal bewegt und dabei das Ziel fokussiert. Mit einem Metronom, das auf 180 bpm eingestellt ist, wird der Kopf in einer Amplitude von 20 Grad nach oben und 20 Grad nach unten im Takt bewegt. Eine Wiederholung ist abgeschlossen, wenn der Kopf nach beiden Richtungen in die Ausgangsposition zurückkehrt, und es werden 10 Wiederholungen durchgeführt.
Bewerten: Kopfschmerzen, Schwindel, Übelkeit und Benommenheit nach der Aufgabe.
Auch bekannt als VOR-Suppressionstest oder Nystagmus-Suppressions-Test
Dieser Test beurteilt die visuelle Bewegungssensitivität und die Fähigkeit, vestibulär induzierte Augenbewegungen durch das Sehen zu hemmen.
Der Patient steht mit den Füßen schulterbreit auseinander und blickt in einen belebten Bereich der Klinik/Praxis. Der Untersucher steht schräg hinter dem Patienten, so dass der Patient abgesichert ist, die Bewegung aber frei ausgeführt werden kann. Der Patient streckt beide Arme auf Augenhöhe aus, nimmt die Hände zusammen und fokussiert die Daumen. Das Metronom wird auf 50 bpm eingestellt. Der Patient fokussiert die Daumen und dreht Kopf, Augen und Rumpf zusammen (als Einheit) mit einer Amplitude von 80 Grad nach rechts und 80 Grad nach links im Takt des Metronoms. Eine Wiederholung ist abgeschlossen, wenn sich der Rumpf nach beiden Richtungen wieder in die Ausgangsposition zurückkehrt, und es werden 5 Wiederholungen durchgeführt.
Bewerten: Kopfschmerzen, Schwindel, Übelkeit und Benommenheit nach einer 10-sekündigen Pause, um latente Symptome nach dem Test zu berücksichtigen(12).
Das VOMS hat sowohl interne Konsistenz als auch Sensitivität bei der Identifizierung von Patienten mit Gehirnerschütterungen gezeigt.(5)(13)(14)
Mucha et al.(5) stellten fest, dass der Test im Vergleich zur Post-Concussion Symptom Scale (PCSS) interne Konsistenz und grundlegende Validität aufweist. Sie weisen auch darauf hin, dass die Ergebnisse eine „vorläufige Evidenz für die Verwendung des VOMS zur Unterscheidung von Patienten mit sportbedingten Gehirnerschütterungen von gesunden Kontrollpersonen“ bedeuten können.
Moran et al.(13) befürworteten die Einführung der Erfassung der Ausgangssymptome des VOMS in die klinische Praxis aufgrund der hohen internen Konsistenz, dem starken Zusammenhang zwischen den VOMS-Items und der niedrigen Falsch-Positiv-Rate bei der Erfassung der Ausgangswerte bei jungen Sportlern.
Anzalon et al.(15) weisen darauf hin, dass das VOMS als Prädiktor für die Genesungszeit bei Patienten mit sportbedingter Gehirnerschütterung dienen kann.
Worts et al.(16) stellten fest, dass das VOMS stabiler sein kann als andere Screening-Maßnahmen und bei jugendlichen Sportlern weniger wahrscheinlich zu falsch-positiven Ergebnissen führt als der King-Devick-Test.