Anwendung der evidenzbasierten Praxis bei der Entscheidung für eine Ergebnismessung

Originale Autorin Wanda van Niekerk basierend auf dem Kurs von Benita Olivier

Top-BeitragendeWanda van Niekerk und Jess Bell

Einleitung(edit | edit source)

Eine Ergebnismessung (engl. „outcome measure“) ist ein Instrument zur Bewertung des aktuellen Zustands eines Patienten. Sie kann einen Score, eine Interpretation der Ergebnisse und/oder eine Risikoeinstufung des Patienten erfassen. Sie kann vor einer Intervention Ausgangsdaten liefern, und die ersten Ergebnisse können helfen, den Verlauf einer Behandlungsintervention zu bestimmen und zu steuern. Die Ergebnismessung kann auch während des Behandlungsverlaufs verwendet werden, um jede „Veränderung des interessierenden Konstrukts im Laufe der Zeit, während und nach der Rehabilitation“ zu bewerten.(1)

Zu den Ergebnismessungen, die in der klinischen Praxis verwendet werden, gehören:

  • Patient-Reported Outcome Measures (PROM), d.h. vom Patienten subjektiv beantwortete Fragebögen
  • Vom Therapeuten erfasste Ergebnismessungen
  • Klinische Tests
  • Beobachtete Ergebnismessungen

Psychometrische Eigenschaften von Ergebnismessungen ( edit | edit source )

Reliabilität (Zuverlässigkeit)(edit | edit source)

  • Bezieht sich auf das Ausmaß, in dem eine Messung konsistent und frei von Fehlern ist(2)
  • Liefert die Ergebnismessung konsistente Ergebnisse?
  • Werden die Ergebnisse gleich sein, wenn der Test von verschiedenen Klinikern oder vom selben Kliniker zu verschiedenen Zeiten durchgeführt wird?

Arten der Reliabilität:

  • Interrater-Reliabilität
    • verschiedene Untersucher, in der Regel innerhalb desselben Zeitraums
    • beschreibt die Stabilität der erzielten Punktzahlen, wenn zwei verschiedene Untersucher denselben Test durchführen
    • „der Grad, in dem unabhängige Beobachter (Untersucher) in ihrer Bewertung übereinstimmen“(3)
  • Intrarater-Reliabilität
    • derselbe Untersucher im Laufe der Zeit
    • bezieht sich auf die Stabilität der von einem Untersucher erzielten Punktzahlen, wenn er den Test bei zwei verschiedenen Gelegenheiten durchführt
  • Retest-Reliabilität
    • beschreibt die Stabilität der von einem Patienten erzielten Ergebnisse, wenn er bei zwei verschiedenen Gelegenheiten bewertet wird
    • „das Ausmaß, in dem die Ergebnismessung im Laufe der Zeit konsistente Ergebnisse liefert“(4)

Weitere Informationen über Reliabilität, die verschiedenen Arten von Reliabilität sowie quantitative und qualitative Maßstäbe für Reliabilität finden Sie hier.

  • Interne Konsistenz
    • „das Ausmaß, in dem die Merkmale der Ergebnismessung zu konsistenten Ergebnissen führen“(4)
  • Messfehler
    • „die Differenz zwischen dem, was gemessen wird, und seinem ‚wahren‘ Wert“(4)

Validität (Gültigkeit)(edit | edit source)

Das Ausmaß, in dem der Test das misst, was er zu messen vorgibt.(5)(6)

Arten der Validität:(7)(8)

  • Augenscheinvalidität (engl. „face validity“)
    • spiegelt der Inhalt der Ergebnismessung das, was sie messen soll, angemessen wider?(4)
    • stellt zum Beispiel eine Ergebnismessung zum Gleichgewicht die entsprechenden Fragen dazu?
  • Konstruktvalidität
    • das Ausmaß, in dem eine Ergebnismessung das Konstrukt (z. B. Lebensqualität), das sie messen soll, wirklich darstellt und erforscht(4)(9)
  • Kriteriumsvalidität – besteht aus:
    • Übereinstimmungsvalidität (engl. „concurrent validity“)
      • „das Ausmaß, in dem die Werte/Ergebnisse mit denen einer bekannten Ergebnismessung mit guter Validität übereinstimmen“(4)
    • Vorhersagevalidität (engl. „predictive validity“)
      • „das Ausmaß, in dem die Ergebnismessung ein Ergebnis, einen Erfolg oder eine Beziehung genau vorhersagen kann“(4)
  • Inhaltsvalidität (engl. „content validity“)
    • „das Ausmaß, in dem der Inhalt das misst, was er zu messen beabsichtigt, eine ausreichende Breite/Tiefe aufweist“ und frei von Bias ist(4)
    • „der Grad, in dem ein Test alle notwendigen Elemente enthält, um das zu messende Konzept darzustellen“(9)

Mehr über Validität können Sie hier lesen.

(10)

Responsivität(edit | edit source)

Responsivität bedeutet:(11)

  • Die Fähigkeit einer Ergebnismessung, eine echte Veränderung des Zustands eines Patienten im Laufe der Zeit zu erkennen
  • Auch bekannt als Änderungssensitivität (engl. „sensitivity to change“)
  • Mehr über Responsivität erfahren Sie hier

Wenn Sie mehr darüber erfahren möchten, lesen Sie bitte Psychometrische Eigenschaften.

Anwendung der evidenzbasierten Praxis bei der Entscheidung für eine Ergebnismessung ( edit | edit source )

Schritt 1: Ermittlung der Bedürfnisse des Patienten zur Formulierung einer klinischen Frage

  • Entscheiden Sie sich für eine Ergebnismessung:
    • überlegen Sie, was Sie messen möchten (Funktion, Wahrnehmung, Erfahrung?)
    • wie möchten Sie es messen (selbstberichtet oder vom Therapeuten erfasst)?
  • Beispiele für eine klinische Frage: „Welche sind die besten Ergebnismessungen, um Funktion und Wohlbefinden bei einem Patienten mit … zu bestimmen?“ ODER „Ist Ergebnismessung (x) oder Ergebnismessung (y) eine bessere Ergebnismessung zur Bestimmung von Funktion und Wohlbefinden bei einem Patienten mit…?“

Schritt 2: Auffinden der Wissensressourcen

  • Verwenden Sie eine modifizierte PICOT-Merkhilfe und konzentrieren Sie sich auf den POT-Teil
    • P – Patient, Population
    • O – Ergebnis – spezifisches Ergebnis
    • T – Typ – Art der Ergebnismessung (z.B. patientenberichtete Ergebnismessung)
  • Entscheiden Sie sich für eine Datenbank

Schritt 3: Bewertung der Qualität der Ergebnismessung

Schritt 4: Erörterung der Optionen mit dem Patienten

  • Verbinden Sie die Diskussion über die zu verwendenden Ergebnismessungen mit der Diskussion über die besten Behandlungsmöglichkeiten
  • Die Ergebnismessung, die Sie verwenden, sollte auf die Bedürfnisse der Erkrankung, den Kontext des Patienten, seine Ziele, Werte und Präferenzen sowie das Umfeld des Patienten abgestimmt sein.
  • Erörtern Sie die Auswirkungen auf die Kosten, den Zeitaufwand für die Durchführung der Ergebnismessung und die Häufigkeit

Schritt 5: Nehmen Sie die Ergebnismessungen in den Behandlungsplan auf (Formulierung des Behandlungsplans).

  • Die gewählte Ergebnismessung sollte dem Ziel der Intervention entsprechen

Schritt 6: Umsetzung des Behandlungsplans mit der Ergebnismessung

  • Wenden Sie den Behandlungsplan und die Ergebnismessung an

Schritt 7: Bewertung der Wirksamkeit des Behandlungsplans, der Ergebnismessung und des Prozesses der evidenzbasierten Praxis

  • Erfüllt die Ergebnismessung ihre Aufgabe?
  • Ist sie so responsiv wie in der Literatur beschrieben?
  • Haben Sie eine frei verfügbare Ergebnismessung gefunden?
  • Wo können Sie Änderungen im Prozess vornehmen?

Ressourcen(edit | edit source)

Referenzen(edit | edit source)

  1. Alreni AS, McRobert C, McLean SM. Utilisation of outcome measures in the management of non-specific neck pain: a national survey of current physiotherapy practice in the UK. Musculoskeletal Science and Practice. 2021 Apr 1;52:102347.
  2. Portney L., Watkins M. Chapter 4: Principles of Measurement, within Foundations of Clinical Research : Applications to Practice, 3rd Edition. F.A. Davis Company, Pennsylvania, United States 2015. ISBN10 0803646577.
  3. D’lima J, Taylor SE, Mitri E, Harding A, Lai J, Manias E. Assessment of inter-rater reliability of screening tools to identify patients at risk of medication-related problems across the emergency department continuum of care. Australasian Emergency Care. 2023 Nov 14.
  4. 4.0 4.1 4.2 4.3 4.4 4.5 4.6 4.7 Allied Health Professions (AHP) Outcome Measures UK Working Group: Key questions to ask when selecting outcome measures: a checklist for allied health professionals. November 2019
  5. Haff GG, Dumke C. Laboratory manual for exercise physiology. Human Kinetics; 2022 Dec 2.
  6. Dunn WW. Validity. InDeveloping norm-referenced standardized tests 2020 Feb 13 (pp. 149-168). Routledge.
  7. Erlinawati E, Muslimah M. Test Validity and Reliability in Learning Evaluation. Bulletin of Community Engagement. 2021 Jan 6;1(1):26-31.
  8. Chetwynd E. Critical analysis of reliability and validity in literature reviews. Journal of Human Lactation. 2022 Aug;38(3):392-6.
  9. 9.0 9.1 Souza A., Alexandre N., Guirardello E.. Psychometric properties in instruments evaluation of reliability and validity. Epidemiologia e Serviços de Saúde. 2017 Jul;26:649-59.
  10. Dr J.5 Types of Construct Validity (Face, Content, Criterion, Convergent, Discriminant)- Research Methods Available from: https://www.youtube.com/watch?v=Q7jYDVGmlro (last accessed 02/01/2024)
  11. Mokkink L, Terwee C, de Vet H. Key concepts in clinical epidemiology: Responsiveness, the longitudinal aspect of validity. Journal of clinical epidemiology. 2021 Dec 1;140:159-62.


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