Schuhzurichtungen

Originale Autorin Jess Bell basierend auf dem Kurs von Donna Fisher
Top-BeitragendeJess Bell, Tarina van der Stockt und Stacy Schiurring

Einleitung(edit | edit source)

Schuhe erfüllen viele Funktionen, die von Stütze und Schutz bis hin zur Mode reichen. Unabhängig von der Art des Schuhs (d.h. Sportschuh, Arbeitsschuh usw.) sollte ein Schuh gut passen, bequem und funktionell sein und gut aussehen.(1)(2)

Für Menschen mit Fußerkrankungen oder fixierten Fehlstellungen kann die Wahl des Schuhwerks noch wichtiger sein. Oftmals wird handelsübliches Schuhwerk ihren Bedürfnissen nicht gerecht. Konfektionierte orthopädische Schuhe können jedoch angepasst werden, um zusätzliche Funktionen zu bieten, die Schmerzen und Druck mindern, die Bewegung optimieren und die Biomechanik verbessern.(3)

Anatomie eines Schuhs (edit | edit source)

Anatomie eines Schuhs.

Schuhe können in einen oberen und einen unteren Teil unterteilt werden. Der obere Teil (auch Schaft genannt) bedeckt den Vorfuß, den Rückfuß und den Fußrücken. Er besteht in der Regel aus Leder oder einem synthetischen Material. Zum oberen Teil eines Schuhs gehören Blatt (Vamp), Quartier, Hinterkappe (Fersenkappe), Kragen, Zehenbox und das Innenfutter. Die „Kehle“ (engl. throat) bezieht sich auf die Zunge, die Knöchelöffnung (Öffnung) des Schuhs und das Verschlusssystem . Der untere Teil des Schuhs (auch Boden genannt) ist die Sohle, die aus der Laufsohle, der Zwischensohle und der Innen- oder Brandsohle besteht. Der Rahmen verbindet den Schaft des Schuhs mit dem Boden. Zurichtungen können sowohl am Schaft als auch am Boden eines Schuhs vorgenommen werden.(1)

Schuhzurichtungen (edit | edit source)

Bei der Zurichtung eines Schuhs ist es wichtig, Passform, Komfort, Funktion und Ästhetik zu berücksichtigen. Kliniker können zudem von den Abriebmustern an bereits vorhandenen Schuhen der Patienten Informationen über das Gangmuster und die Druckverteilung gewinnen und sollten bei Anpassungen immer die Materialien eines Schuhs berücksichtigen.(1)

Änderungen am Schaft (Innere Anpassungen) (edit | edit source)

Eine der häufigsten Schuhzurichtungen ist die Veränderung der Weite im Vorfußbereich. Diese Anpassung kommt Menschen mit einer Reihe von Fußerkrankungen zugute, darunter Diabetes mellitus,(4) Hallux valgus(5) und rheumatoide Arthritis. Der Umfang und der Durchmesser auf Höhe der Mittelfußköpfe werden gemessen, um die optimale Schuhweite zu ermitteln.(1)

Im vorderen Bereich eines Schuhs kann zusätzliche Tiefe hinzugefügt oder reduziert werden, um einen leichten Einstieg und eine bequeme, nicht zu enge oder zu lockere Passform zu gewährleisten. Der Fußumfang hinter den Mittelfußköpfen wird gemessen, um die optimale Tiefe zu bestimmen. Bei der Anprobe ist es wichtig, auf ein leichtes Anziehen des Schuhs und einen bequemen Verschluss zu achten.(1)

Der Ristumfang (Spannumfang) kann ebenfalls vergrößert oder verkleinert werden, um ein leichtes Anziehen des Schuhs und einen bequemen Verschluss zu gewährleisten. Dies ist besonders wichtig für Menschen mit Ödemen oder bei der Verwendung einer Orthese.(1) Der Ristumfang wird am höchsten Punkt des Fußes gemessen (der sich typischerweise über dem Kahnbein und den Keilbeinen befindet).

Die Tiefe der Zehenbox kann vergrößert oder verkleinert werden. Bei Erkrankungen wie Krall- oder Hammerzehen sowie bei Diabetes kann eine vergrößerte Tiefe der Zehenbox von Vorteil sein.(6) Für Menschen mit Diabetes ist es wichtig, dass keine Reibung, kein Druck und keine Beschwerden an den Zehen auftreten, um das Risiko von Hautschädigungen zu verringern.(7)

Spezifische Anpassungen wie eine mediale Aussparung an der Großzehe(8) oder eine laterale Aussparung am fünften Mittelfußköpfchen bieten zusätzlichen Platz und Komfort für Menschen mit Ballenzeh (Hallux valgus) oder Schneiderballen (Digitus quintus varus).(1)

Die Quartierhöhe kann vergrößert oder verkleinert werden. Dies kann eine ausreichende Fersenabdeckung gewährleisten und ist vorteilhaft für Menschen, die Orthesen tragen oder ausgeprägte Knöchel haben.(1)

Änderungen am Boden (Äußere Anpassungen) (edit | edit source)

Schuherhöhungen können eingesetzt werden, um Beinlängendifferenzen auszugleichen.(9) Es gibt jedoch Grenzen, wie stark ein Schuh erhöht werden kann – je stärker die Erhöhung, desto mehr Material muss dem Schuh hinzugefügt werden, was zu einem schwereren, steiferen und instabileren Schuh führen kann. Erhöhungen können gerade durch den Schuh verlaufen (durchgehende Sohlenerhöhung), oder sie können zur Schuhspitze auslaufend angebracht werden. Sie können zwischen Zwischen- und Laufsohle eingesetzt werden. Es ist möglich, nur eine Absatzerhöhung hinzuzufügen, doch dies verändert das Gleichgewicht des Schuhs. Zudem können kleinere Ausgleiche (5–8 mm) im Inneren des Schuhs angebracht werden (Fersenkeil, Einlage).(1)

Sehen Sie sich dieses Video an, um zu erfahren, wie Schuherhöhungen an einem Standard-Laufschuh angebracht werden können:

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Wie bereits erwähnt, wird ein Schuh umso steifer, je mehr Material hinzugefügt wird. Die Versteifung eines Schuhs ist für Menschen mit schmerzhaften Fußerkrankungen wie Diabetes, Hallux limitus und Hallux rigidus (Arthrose im Großzehengrundgelenk) von Vorteil.(1)(11) (12) Es gibt verschiedene interne und externe Techniken, um zusätzliche Steifigkeit zu erzielen. So kann zum Beispiel eine Sohlenversteifung mit Stahl in die Zwischensohle des Schuhs eingesetzt werden, oder eine Karbonfaserplatte in der Sohle, um Bewegungen zu verhindern. Eine reine Versteifung des Schuhs führt jedoch zu einem starren Übergang zwischen Rückfuß und Vorfuß, was das Gangbild beeinflusst.(1)

Abrollhilfen (Rocker-Sohlen) werden in der Regel im Zusammenhang mit einer Sohlenversteifung und Schuherhöhung hinzugefügt, um ein natürliches Abrollen zu ermöglichen. Beim Einbau von Abrollhilfen müssen wir den Abrollscheitel (Rollenscheitel), die Position der Rolle und die Zehensprengung bestimmen. Eine Abrollhilfe kann das Abrollen verbessern, die Steifigkeit von Fuß und Sprunggelenk ausgleichen, die Bodenreaktionskraft beeinflussen(13) und den Druck auf die Fußsohle reduzieren.(14)(1)

Dieses Video zeigt, wie ein Stiefel mit einer Abrollhilfe ausgestattet wird:

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Zusätzliches Material kann an der Innen- oder Außenseite des Absatzes oder der Sohle angebracht werden (mediale oder laterale Verbreiterung). Diese Verbreiterungen sorgen für zusätzliche Stabilität, vergrößern die Unterstützungsfläche des Trägers und können die Bodenreaktionskraft beeinflussen.(1)

Keile können an der medialen oder lateralen Sohle (Sohlenranderhöhung) oder am Absatz (Absatzranderhöhung) angebracht werden. Ein medialer Keil (Innenranderhöhung) kann die Pronation reduzieren, während ein lateraler Keil (Außenranderhöhung) die Supination reduzieren kann. Bei Menschen mit fixierten Deformitäten können Keile für mehr Stabilität sorgen.(1)

Schaft- oder Fersenversteifungen sorgen durch zusätzliches Material an der Innen- oder Außenseite des Schuhs für eine zusätzliche Stabilisierung vor allem des Fersenbereichs. Sie können jedoch sperrig sein und sind keine kosmetische Option.(1)

An der vorderen Sohle und/oder an der Zehenbox kann ein Zehenschutz (z.B. eine Zehenschutzkappe) angebracht werden, um den Verschleiß des Schuhs zu verringern. Es ist jedoch wichtig, darauf zu achten, dass das zusätzliche Material keine Stolpergefahr darstellt.(1)

Steigbügel für konventionelle Schienen können an der Ferse eines Schuhs angebracht werden. Der Schuh muss dabei steif genug sein, um das Metall des Steigbügels zu tragen. Die Positionierung ist entscheidend und muss mit der Schiene und dem Patienten gemessen werden.(1)

Fazit (edit | edit source)

Schuhwerk und Schuhzurichtungen sind ein wesentlicher Bestandteil der orthetischen Versorgung. Anpassungen am Schuh sind zeitaufwendig und erfordern ein hohes Maß an Fachwissen. Da nicht immer ausreichende Evidenz für diese Techniken vorliegt, ist es wichtig, sicherzustellen, dass die Behandlung individuell auf jede Person zugeschnitten ist. Der Erfolg hängt von einer umfassenden Befunderhebung ab sowie davon, einen Schuh zu schaffen, der gut sitzt, bequem und funktionell ist und zudem gut aussieht.(1)

Referenzen(edit | edit source)

  1. 1.00 1.01 1.02 1.03 1.04 1.05 1.06 1.07 1.08 1.09 1.10 1.11 1.12 1.13 1.14 1.15 1.16 1.17 Fisher D. Shoe Modifications Course. Physiopedia Plus, 2025.
  2. Braam C, Kloprogge S, Schiphof D, van Meurs JBJ, Bierma-Zeinstra SMA, van Middelkoop M. Patients‘ perspectives on participation in an effectiveness study on footwear modification for the first metatarsophalangeal joint osteoarthritis: a qualitative study. J Foot Ankle Res. 2025 Jun;18(2):e70050.
  3. Barbara AM, Grobelna A. Orthopedic footwear for people with lower-limb conditions: CADTH health technology review. Canadian Journal of Health Technologies. 2022;2(1).
  4. Schaper NC, van Netten JJ, Apelqvist J, Bus SA, Hinchliffe RJ, Lipsky BA. IWGDF Guidelines on the prevention and management of diabetic foot disease, 2019.
  5. Kuhn J, Alvi F. Hallux Valgus. In: StatPearls (Internet). Treasure Island (FL): StatPearls Publishing; 2025 Jan-. Available from: https://www.ncbi.nlm.nih.gov/books/NBK553092/
  6. Colò G, Fusini F, Melato M, De Tullio V, Logrieco G, Leigheb M, Surace MF. The effectiveness of shoe modifications and foot orthoses in conservative treatment of lesser toe deformities: a review of literature. Musculoskelet Surg. 2025 Sep;109(3):225-232.
  7. Ahmed S, Barwick A, Sharma A, Hasan MZ, Kabir MA, Nancarrow S. Examining characteristics of those who receive pedorthic services: A clinical audit. PLoS One. 2024 Jul 1;19(7):e0304443.
  8. Ying J, Xu Y, István B, Ren F. Adjusted indirect and mixed comparisons of conservative treatments for hallux valgus: a systematic review and network meta-analysis. Int J Environ Res Public Health. 2021 Apr 6;18(7):3841.
  9. Tirtashi FH, Eslami M, Taghipour M. Effect of shoe insole on the dynamics of lower extremities in individuals with leg length discrepancy during walking. J Bodyw Mov Ther. 2022 Jul;31:51-56.
  10. ontheballorthotics. External Lift on a Running Shoe. Available from: http://www.youtube.com/watch?v= kM7zOfk2aUM (last accessed 6/11/2025)
  11. Munteanu SE, Landorf KB, McClelland JA, Roddy E, Cicuttini FM, Shiell A, et al. Shoe-stiffening inserts for first metatarsophalangeal joint osteoarthritis: a randomised trial. Osteoarthritis Cartilage. 2021 Apr;29(4):480-490.
  12. Martinez-Rico M, Gijon-Nogueron G, Ortega-Avila AB, Roche-Seruendo LE, Climent-Pedrosa A, Deschamps K, Sanchis-Sales E. Effect of different custom-made foot orthotics on foot joint stiffness in individuals with structural hallux limitus: A quasi-experimental study. Clinical Biomechanics. 2025 Feb 1;122:106423.
  13. Hemmati F, Karimi MT. The effect of rocker sole shoes on ground reaction force in the elderly. Proc Inst Mech Eng H. 2022 Jul;236(7):988-993.
  14. Malki A, Baltasar Badaya M, Dekker R, Verkerke GJ, Hijmans JM. Effects of individually optimized rocker midsoles and self-adjusting insoles on plantar pressure in persons with diabetes mellitus and loss of protective sensation. Diabetes Res Clin Pract. 2024 Jan;207:111077.
  15. ontheballorthotics. Rocker Sole Shoe Modification. Available from: http://www.youtube.com/watch?v= OIhHom_TjI4 (last accessed 6/11/2025)


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