Risikomanagement im Sport

Originale Autorin Wanda van Niekerk basierend auf dem Kurs von James Laskin

Top-BeitragendeWanda van Niekerk und Jess Bell

Einleitung
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Die Vorteile der Teilnahme an Sport, Training und körperlicher Aktivität werden weithin propagiert, aber es besteht immer das Risiko, dass die Teilnahme an einer dieser Aktivitäten zu Verletzungen führen kann. Mit verschiedenen Sportarten sind unterschiedliche Risikoniveaus verbunden. Die Risikoniveaus hängen mit den Merkmalen der Sportart, den Regeln der Sportart und dem Respekt gegenüber Mitspielern und Gegnern zusammen. Sportverbände, sportmedizinische Fachkräfte und alle Beteiligten haben gegenüber den Sportlern und Zuschauern die Verantwortung, die damit verbundenen Risiken zu kontrollieren. Dazu gehören Aspekte wie die Ermittlung und Beschreibung von Risiken, die mit bestimmten Sportarten verbunden sind, und die Bereitstellung von Leitlinien zur Reduzierung und zum Umgang mit diesen Risiken.(1)

Wichtige Begriffe (edit | edit source)

Tabelle 1. Wichtige Begriffe aus dem Risikomanagement im Sport.(2)
Terminologie Definition
Risikofaktor Ein Zustand oder eine Situation, die möglicherweise/potenziell Schaden verursachen kann
Risiko Die Möglichkeit oder Wahrscheinlichkeit, dass etwas eintritt; wird anhand der Eintrittswahrscheinlichkeit und der Schadenswirkung (Folgen) gemessen
Risikomanagement Der Prozess der Messung oder Beurteilung von Risiken und der Entwicklung von Strategien zur Minderung der ermittelten Risiken
Risikobeurteilung Identifizierung, Einschätzung und Bewertung von Risiken
Risikoeinschätzung Identifizierung möglicher Folgen eines Risikofaktors und Einschätzung des Ausmaßes und der Wahrscheinlichkeit des Eintretens dieser Folgen
Risikominderung Identifizierung und Anwendung von Maßnahmen zur Kontrolle des Risikoniveaus oder der Folgen

Der Prozess des Risikomanagements (edit | edit source)

  • Das Risikomanagement im Sport ist ein medizinisch-juristisches Thema.
  • Gute und sichere Praxis setzt voraus, dass auf einer geeigneten, ausreichenden und angemessenen Ebene vernünftig vorgedacht wurde.
  • Zu den Zielen des Risikomanagements gehören:(3)
    • sicherzustellen, dass potenzielle Sicherheitsprobleme verstanden werden
    • festzustellen, dass bestehende Präventivmaßnahmen angemessen und relevant sind
    • bei Bedarf weitere Präventivmaßnahmen und Aktionen umzusetzen
  • Es gibt verschiedene Ebenen des Risikomanagements. Zunächst gibt es allgemeine und schriftliche Protokolle bzw. Leitlinien, die die Gesamtrisiken abdecken. Zweitens gibt es Risiken und schriftliche Protokolle, die speziell für ein bestimmtes Ereignis oder eine bestimmte Einrichtung erstellt wurden. Die letzte Ebene des Risikomanagements befasst sich mit den laufenden und dynamischen Ebenen der Risikobeurteilung. Unerwartete Vorfälle müssen in Echtzeit behandelt werden.(3)

Modelle der Risikobeurteilung (edit | edit source)

  • Klassische Risikomatrix für den Arbeitsplatz:
    • Eine Risikomatrix ist ein Instrument, das zur Bewertung und Priorisierung von Risiken im Rahmen des Risikomanagements eingesetzt werden kann. Je höher die Schwere und Eintrittswahrscheinlichkeit eines Ereignisses, desto größer das Risiko. Auch die Schadenswirkung (Folgen) des Ereignisses bestimmt das Risiko eines Ereignisses. Ist die Schadenswirkung gering, wird es als geringes Risiko eingestuft, bei schwerwiegenden Folgen dagegen als hohes Risiko.
    • Lesen Sie mehr zum Thema: Risk Assessment Matrix: Definition, Examples, and Templates

(4)

  • Sportlerspezifische Risikomatrix:(5)
    • Verwendung eines Screenings vor der Saison und Erstellung einer Risikomatrix für einen oder mehrere Sportler
    • Folgende Überlegungen werden angestellt:(5)
  • Sechsstufiges Risikomodell beim Sport:(6)
    • Dieses Modell dient Klinikern als Leitfaden für das Management von Verletzungsrisiken bei Sportlern(6)
    • Stufe 1: Verletzungstrends (wann, wo und wie)
    • Stufe 2: Risikofaktoren (welche Faktoren erhöhen oder mindern das Verletzungsrisiko?)
    • Stufe 3: Sportliche Anforderungen (worauf sollte der Sportler vorbereitet sein?)
    • Stufe 4: Sportlerprofil (weist der Sportler Merkmale von Risikosportlern auf?)
    • Stufe 5: Sportmedizinisches Management des Sportlers (kurz- und langfristiges Management und Interventionen)
    • Stufe 6: Sportlermonitoring (Reaktion des Sportlers auf das Management im Laufe der Zeit)
    • Lesen Sie hier den Artikel: A six stage operational framework for individualising injury risk management in sport(6)
  • Managementmodell für Verletzungsrisiken:
    • Flussdiagramm-Modell
    • Beurteilung der intrinsischen und extrinsischen Risikofaktoren, gefolgt von der Einschätzung und Bewertung des Risikoniveaus
    • Risikominderung durch therapeutische und präventive Maßnahmen
    • Risikokommunikation
      • Dies ist ein wichtiger Schritt im Risikomanagement
      • Eine effektive Kommunikation ist notwendig und die Informationen sollten in geeigneten Formaten präsentiert werden, damit alle Beteiligten ein klares Verständnis erhalten
    • Lesen Sie hier, wie die FIFA das Risikomanagement zum Schutz der Gesundheit von Fußballspielern angeht(7)

Lesen Sie mehr über die rechtlichen Aspekte des Notfallplans: Emergency response plan.(8)

Notfallversorgung und -planung (edit | edit source)

Komponenten des Notfallplans (edit | edit source)

Ein Notfallplan sollte folgende Komponenten enthalten:(9)

  • Dokumentation
    • Schriftlicher Notfallplan, der die Logistik, das beteiligte Personal und einen Lageplan der Einrichtung enthält
  • Identifizierung des geeigneten Personals für die Versorgung
    • Hauptverantwortliche
    • Spezifische Rollen und Verantwortlichkeiten jeder Person
  • Spezifikation und Wartung der erforderlichen Notfallausrüstung
    • Enthält Einzelheiten über die erforderliche Ausstattung, den Standort der Notfallausrüstung und die für die Verwendung der Ausrüstung erforderliche Schulung
  • Kommunikation
    • Kontaktinformationen
    • Kommunikationsmethoden, die im Notfall anzuwenden sind
  • Transportmittel für verletzte oder erkrankte Sportler vom Ort der Verletzung zum Spielfeldrand, zur Trainingsstätte oder zu einer medizinischen Einrichtung
    • Standort des Rettungswagens
    • Lage der Ein- und Ausgänge
  • Notfallverfahren für jede Sportart und jede Trainingsstätte
    • Geeignete medizinische Versorgungseinrichtungen sollten ermittelt werden
    • Der Standort sollte angegeben werden
    • Angemessene Transportwege sollten angegeben werden

Notfallplan (edit | edit source)

Ein vorab vereinbarter Notfallplan ist bei jeder Sportveranstaltung unerlässlich. Bei der Ausarbeitung eines Notfallplans sollte Folgendes berücksichtigt werden:(10)

  • Entwickeln Sie separate Notfallpläne für jeden Sportplatz, jedes Spielfeld oder jede Einrichtung.
  • Legen Sie fest, wer aus dem medizinischen Team bei Training und Wettkampf im Einsatz ist, und definieren Sie die Rolle und Verantwortung jedes Mitglieds im Notfall klar. Kliniker sollten sich der Grenzen ihres jeweiligen Tätigkeitsbereichs bewusst sein. Die Verantwortlichen für Sportmannschaften oder Sportler sollten sich in der notfallmedizinischen Betreuung entsprechend fort- bzw. weiterbilden.
  • Das sportmedizinische Team sollte mit Notfallausrüstung wie Tragen und Automatisierten Externen Defibrillatoren (AED) vertraut sein und deren Einsatz und Bedienung üben.
  • Entscheiden Sie, welche Notfallausrüstung für jede Sportart verfügbar sein sollte, da dies je nach Sportart unterschiedlich sein kann.
  • Entfernung der Schutzausrüstung – es sollten spezifische Verfahren und Leitlinien festgelegt werden(11)
  • Alle Mitglieder des sportmedizinischen Teams sollten mit dem Notfallplan für die medizinische Versorgung vor Ort vertraut sein, einschließlich der Kommunikations- und Transportrichtlinien. Dies gilt insbesondere dann, wenn die Mannschaft auf Reisen ist.
  • Machen Sie alle Teammitglieder mit den Verwaltungs- und Behandlungsrichtlinien der Notfallversorgungseinrichtung vertraut, insbesondere wenn ein Minderjähriger eine Notfallversorgung benötigt.
  • Die für den Notruf zuständige Person sollte folgende Informationen bereitstellen:
    • Art der Notfallsituation
    • Art der vermuteten Verletzung
    • aktueller Zustand des Sportlers
    • derzeit geleistete Hilfe
    • Standort des Anrufers und genauer Ort des Notfalls.
  • Im Notfall sollte medizinischem Personal oder Mitarbeitern Zugang zu Schlüsseln für Tore und Vorhängeschlösser gewährt werden.
  • Alle Mitarbeiter, das Wartungsteam und die Mitglieder des sportmedizinischen Teams sollten jährlich, sowie bei Änderungen, über den Notfallplan informiert werden. Jede Person sollte ihre Rolle und Verantwortung im Notfall kennen.
  • Beauftragen Sie eine Person, den Sportler im Notfall ins Krankenhaus zu begleiten.
  • Kliniker sollten jederzeit über die Kontaktinformationen von Sportlern und Teammitgliedern verfügen, insbesondere wenn sie mit einem Team reisen. Die Eltern oder Erziehungsberechtigten von Minderjährigen sollten Einverständniserklärungen für die medizinische Behandlung ausfüllen und vorlegen, wenn ein Minderjähriger mit einem Team reist.
  • Treffen Sie sich vor der Veranstaltung mit allen Notfallhelfern, um das Vorgehen in bestimmten Situationen zu besprechen. Pflegen Sie eine professionelle Beziehung zwischen allen Beteiligten, die bei einer Veranstaltung für die Notfallversorgung zuständig sind. Das Wichtigste ist, was für den verletzten Sportler am besten ist.
  • Vor der Veranstaltung sollten Verfahren und Leitlinien für den Umgang mit Notfällen festgelegt und geübt werden.
  • Minderjährige
    • Die Zustimmung der Eltern zur Behandlung von verletzten Minderjährigen sollte eingeholt werden.

Checkliste für das Management von Sportverletzungen (edit | edit source)

Zu den Maßnahmen, die Kliniker im Bereich Sport ergreifen können, um das Verletzungsrisiko zu minimieren, gehören:

  • Vereinbarung von körperlichen Untersuchungen und Screenings vor der Saison („pre-season“) und vor Wettkämpfen(13)
  • Sicherstellung eines angemessenes Trainings und einer guten Konditionierung des Sportlers(14)
  • Überwachung der Umwelt-(15) und Spielfeldbedingungen, um eine sichere Teilnahme zu gewährleisten
  • Auswahl und Wartung von passender Schutzausrüstung(16)
  • Aufklärung von Eltern, Trainern und Sportlern über die Risiken, die mit der Teilnahme an der Sportart verbunden sind
  • Vermittlung korrekter Techniken
  • Schulung und ggf. Auffrischung in Herz-Lungen-Wiederbelebung (HLW) und der Verwendung von AEDs (Automatisierte Externe Defibrillatoren)
  • Schulung und ggf. Auffrischung in Erster Hilfe

Ressourcen(edit | edit source)

Referenzen(edit | edit source)

  1. Fuller CW, Junge A, Dvorak J. Risk management: FIFA’s approach for protecting the health of football players. British journal of sports medicine. 2012 Jan 1;46(1):11-7.
  2. Fuller C, Drawer S. The application of risk management in sport. Sports medicine. 2004 May;34:349-56.
  3. 3.0 3.1 Laskin, J. Pre-Competition Management Course. Plus. 2023
  4. Let’s Learn Public Health. Risk and How to use a Risk Matrix. Available from: https://www.youtube.com/watch?v=-E-jfcoR2W0(last accessed 01/03/2023)
  5. 5.0 5.1 Bahr R, Holme I. Risk factors for sports injuries—a methodological approach. British journal of sports medicine. 2003 Oct 1;37(5):384-92.
  6. 6.0 6.1 6.2 Roe M, Malone S, Blake C, Collins K, Gissane C, Büttner F, Murphy JC, Delahunt E. A six stage operational framework for individualising injury risk management in sport. Injury epidemiology. 2017 Dec;4:1-6.
  7. Fuller CW, Junge A, Dvorak J. Risk management: FIFA’s approach for protecting the health of football players. British journal of sports medicine. 2012 Jan 1;46(1):11-7.
  8. Abbott AA. Emergency response plan. ACSM’s Health & Fitness Journal. 2012 Sep 1;16(5):33-6.
  9. McDermott ER, Tennent DJ, Patzkowski JC. On-field Emergencies and Emergency Action Plans. Sports Medicine and Arthroscopy Review. 2021 Dec 3;29(4):e51-6.
  10. Handling Emergency Situations and Injury Assessment. In: Prentice, W. Essentials of Athletic Injury Management. 11th Edition. McGraw-Hill Education. 2020.
  11. 11.0 11.1 11.2 11.3 Courson R, Ellis J, Herring SA, Boden BP, Henry G, Conway D, McNamara L, Neal TL, Putukian M, Sills AK, Walpert KP. Best practices and current care concepts in prehospital care of the spine-injured athlete in American Tackle Football March 2–3, 2019; Atlanta, GA. Journal of athletic training. 2020 Jun;55(6):545-62.
  12. Mills BM, Conrick KM, Anderson S, Bailes J, Boden BP, Conway D, Ellis J, Feld F, Grant M, Hainline B, Henry G. Consensus recommendations on the prehospital care of the injured athlete with a suspected catastrophic cervical spine injury. Journal of Athletic Training. 2020 Jun;55(6):563-72.
  13. MacDonald J, Schaefer M, Stumph J. The Preparticipation physical evaluation. American family physician. 2021 May 1;103(9):539-46.
  14. Miranda-Comas G, Zaman N, Ramin J, Gluck A. The role of workload management in injury prevention, athletic, and academic performance in the student-athlete. Current sports medicine reports. 2022 Jun 1;21(6):186-91.
  15. Racinais S, Hosokawa Y, Akama T, Bermon S, Bigard X, Casa DJ, Grundstein A, Jay O, Massey A, Migliorini S, Mountjoy M. IOC consensus statement on recommendations and regulations for sport events in the heat. British Journal of Sports Medicine. 2023 Jan 1;57(1):8-25.
  16. Jin H, Lee H. Risk factors based on analysis of injury mechanism and protective equipment for ice hockey amateur players. International journal of environmental research and public health. 2022 Apr 1;19(7):4232.
  17. Finnoff J. Sports event planning considerations post-COVID-19. United States Olympic & Paralympic Committee. United States Olympic & Paralympic Committee. April 28, 2020-v0. 12.


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